Zuhälter Mirko (38): “Ohne mich würde keine auf dem Strich überleben!”
Was macht eigentlich ein Lude den ganzen Tag? Wie behandelt er seine Mädchen? Antworten auf diese und andere Fragen erhielten wir (Reporter Tobias Nolte und Fotografin Sybille Demirel) von einem Insider aus dem Hamburger Milieu.
"Hübsche Corsage, die Nippel hart zwirbeln - da stehen die Männer drauf", sagt Lude Heiko - und lässt Charlotte vorführen, was genau er damit meint. Charlotte ist Heikos Freundin. "Irgendwann heiraten wir - und dann geht es ab in den Süden", sagt Heiko, "aber erstmal muss ich noch richtig Geld verdienen."
Freitagnachmittag, kurz vor fünf. Wir treffen Heiko (37, Glatze) in einem Lokal auf dem Hamburger Kiez. Er hat seinen Wagen direkt vor der Kneipe geparkt - eine Nobelkarosse aus Stuttgart, das Topmodell.
“Einen dicken Amischlitten fahre ich seit Jahren nicht mehr”, erläutert Heiko. “Das ist nur noch was für Prolls.” Auf Breitreifen und Sportfahrwerk wollte er aber nicht verzichten. “Sonst denken die Leute ja, ich wäre arm”, meint er. Und das darf ihm auf keinen Fall passieren. Denn in Mirkos Branche bedeutet Geld zugleich Macht. Der 38-Jährige ist Zuhälter.
Alles an dem gebürtigen Rheinländer strahlt Power aus, flößt Respekt ein, wirkt auf Normalbürger eine Spur zu groß. Nicht bloß das Auto. Ebenso die Statur des Mannes von knapp zwei Metern, der stramme Bizeps im engen Shirt, der Brilli im Ohr, die Tattoos auf den Unterarmen, das schwere Goldkettchen am Handgelenk.
Sein Business, wie er es nennt, betreibt Mirko in einem tristen Industriegebiet im Südosten Hamburgs. Hier, sinnigerweise in unmittelbarer Nähe des Verkehrsamts der Hansestadt, stehen sie für ihn an der Straße: seine weiblichen “Angestellten” - junge Prostituierte.
Der Lude holt ein paar Fotos aus seiner dicken Brieftasche, und wir müssen zugeben: Super-sexy sehen sie aus, seine Huren. Sie haben ihre Mäntel oder Jacken geöffnet, präsentieren darunter freche Strapse, Korsagen, zum Teil auch ihren blanken Busen.
Wie viele Frauen Heiko auf dem Strich hat, mag er uns nicht verraten. Es werden wohl ein knappes Dutzend sein. Denn ab und zu erwähnt er mal den einen oder anderen Namen.
Und was genau ist sein Job in diesem Geschäft? Heiko: “Ich bin sozusagen der Manager dieser Mädchen. Von mir lernen sie die Tricks in diesem Gewerbe - wie sie sich am besten verkaufen. Außerdem verwahre ich das Geld für die Girls, lege es sicher an.” Wo, können wir uns gut vorstellen. Vermutlich auf seinem eigenen Konto ...
“Meine Hauptaufgabe besteht jedoch darin, die Mädchen zu beschützen”, fährt der Zuhälter unbeirrt fort. “Es kommt immer wieder mal vor, dass ein Freier Stress macht - nicht bezahlen oder eine Hure sogar ausrauben will. Und meinen Kollegen traue ich ebenso wenig. Wenn du nicht dauernd präsent bist, sind deine Girls und du schnell weg vom Fenster. Meine Bräute wissen: Ohne mich würde keine auf dem Strich überleben!”
Nachwuchssorgen kennt der Rotlicht-Fürst nicht. “Mir wird fast jede Woche frisches Fleisch angeboten”, sagt Heiko. Meist stammen die Frauen aus Osteuropa - aus Ungarn, Tschechien, Polen und der ehemaligen Sowjetunion.
“Natürlich sind manche der jungen Damen zunächst etwas unkooperativ”, grinst der Lude. “Aber das kriege ich schon hin. Zur Not auch mit dem Teppichklopfer ... Mal hart, mal zart. Ich bin Spezialist darin, was man in unserem Gewerbe als Einreiten bezeichnet. Das ist für mich das Geilste an meinem Job. Ich teste jedes meiner Pferdchen erst mal selbst im Bett aus - arbeite die Mädchen tagelang durch und zeigen ihnen, worauf ein Mann beim Sex abfährt.
Glauben Sie mir: Auch wenn ein Girl am Anfang noch rumzickt - spätestens nach 14 Tagen Training unter mir weiß es, wie hier bei uns der Rubel rollt.”

Tobias Nolte schrieb obige erotische Geschichte. - Der begeisterte Regatta-Segler ist 47 Jahre alt und schreibt seit seinem 14. Lebensjahr. Zwölf Jahre war er Reporter bei verschiedenen Lokalzeitungen in Deutschland und Dänemark. Nolte lebt heute abwechselnd in Kopenhagen und Amsterdam.
Erschienen am 05.10.2009 |



