Teil 2 - Conny (18) vom Drogenstrich: “Für die Freier bin ich der letzte Dreck!”
Sie sehen ganz harmlos aus. Wie kleine Stücke Kandiszucker. Aber die Kügelchen - ein Mix aus Kokain, Backpulver und Wasser - kommen nicht in den Tee, sondern werden in einer Pfeife geraucht: Crack, ein Teufelszeug. Der Stoff geht direkt ins Blut, macht für wenige Minuten super-euphorisch. Und sofort abhängig.
Conny ist 21 Jahre alt und geht auf den Drogenstrich. Perspektive? Keine. - Will sie daran etwas ändern? Nein. "Ich lebe in den Tag, ich brauche den Stoff." Und die Freier. "Klar, die bringen mir das Geld. Klauen ist nämlich nicht mein Ding", sagt Conny.
Sie sind jung und willig - die Girls vom Drogenstrich. Und die Freier nutzen die Notlage der Mädchen schamlos aus.
Samstagmittag, kurz nach zwölf. Gut eine Stunde mussten wir in einem kleinen Cafe am Steindamm im Hamburger Stadtteil St. Georg auf Conny (18) warten. “Tut mir leid”, entschuldigt sie sich.
“Ich habe bis fünf Uhr früh gearbeitet. Und dann den Morgen verschlafen. Ist leider nicht so gut gelaufen letzte Nacht.” Wie so oft ...
Conny zählt zu den etwa 300 Frauen, die sich nach offiziellen Schätzungen hier, in der Nähe des Hauptbahnhofs, auf der Straße prostituieren. Das blonde Haar hängt ihr strähnig ins eigentlich hübsche Gesicht. Unter den Augen liegen dunkle Schatten, die auch das Make-up nicht verdecken kann. Die schmalen Hände zittern. Und ihr Blick flattert ständig ziellos ins Leere. Conny ist drogensüchtig. Seit ihrem 16. Lebensjahr.
Während sie sich hastig die nächste Zigarette dreht, schildert die junge Frau, wie alles seinen Anfang nahm: “Mit 16 haute ich von zu Hause ab. Nach Hamburg. Und landete auf dem Strich.” Warum? Conny lächelt vage: “Wie hätte ich sonst meine Sucht finanzieren sollen? Klauen? Ist nicht mein Ding.”
Das Mädchen vom Lande geriet in einen Teufelskreis, dessen Sog es immer tiefer in den Abgrund riss. Conny: “Ich gehe anschaffen, um mir Drogen kaufen zu können. Und ich brauchen den Stoff, damit ich meinen Ekel vor den Freiern überwinde. So ist das. Traurig, aber wahr.”
An Rauschgift hat die 21-Jährige bereits so ziemlich alles ausprobiert, was sie kriegen konnte. Haschisch, Marihuana, Heroin, Kokain. Nach mehreren kalten Entzügen raucht sie jetzt Crack. Nach jedem Kunden. Meist im Stundentakt. An manchen Tagen aber auch öfter.
Über ihre Situation ist sich Conny durchaus im Klaren. “Wenn du erst mal da landest, wo ich bin, steckst du total im Sumpf”, sagt sie. “Der Drogenstrich ist wirklich das Letzte. Es ist die Endstation. Abpfiff. Weiter nach unten kannst du in deinem Leben nicht mehr rutschen. Und so wirst du auch behandelt. Für die Freier bin ich echt der letzte Dreck.”
Mit was für Männern hat sie es zu tun? “Meist ist es menschlicher Abschaum. So wie ich”, sagt Conny. “Hinzu kommt: Je später der Abend, desto fieser die Typen. Die wissen doch ganz genau: Wer nachts auf dem Drogenstrich steht, braucht dringend Kohle. Und das nutzen sie schamlos aus. Die behandeln dich schlimmer als Tiere - beschimpfen und missbrauchen dich. Oft drücken sie dich im Preis, erwarten aber die größten Sauereien. Und du machst alles mit. Auch ohne Gummi. Weil du eben nur an das Geld für die nächste Pfeife Crack denkst.”
Nächster Teil: morgen
Teufelsdroge Crack Sie sehen ganz harmlos aus. Wie kleine Stücke Kandiszucker. Aber die Kügelchen - ein Mix aus Kokain, Backpulver und Wasser - kommen nicht in den Tee, sondern werden in einer Pfeife geraucht: Crack, ein Teufelszeug. Der Stoff geht direkt ins Blut, macht für wenige Minuten super-euphorisch. Und sofort abhängig. Mit fatalen Auswirkungen auf Psyche und Körper: Bewusstseinsstörungen, Schlafentzug, Aggressivität. Eine Therapie ist mit Akupunktur möglich. Doch kaum ein Crack-Abhängiger ist bereit dazu.

Alessandro Vargas schrieb obige erotische Geschichte. - Der Enkel eines erfolgreichen Illustrators studierte an der Universität von Santiago de Chile deutsche Literatur, Film und Soziologie, forschte als Austauschstudent an der Freien Universität Berlin über Filme deutscher Emigranten. Heute arbeitet Vargas bei einer deutsch-chilenischen Stiftung mit Sitz in Valparaíso. Regelmäßig besucht er Deutschland: "Ich liebe das Land und seine Menschen."
Erschienen am 14.8.2009 | Eine Folge aus der Reihe "Schicksale blutjunger Mädchen".
Alle Geschichten aus der Reihe:



