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Sylvia (26): “Ich bin eine Undercover-Hure” - Immer mehr Frauen schaffen heimlich an!

Ihrem Ehemann Wolfgang, den Freunden und Verwandten hat Sylvia erzählt, sie sei eine Vertreterin für Kosmetikartikel - also ständig auf Achse, nur übers Handy erreichbar. Im Prinzip stimmt das sogar. Was Sylvia ihrem Mann und den anderen allerdings verschweigt, ist, dass sie bloß halbtags arbeitet. Um mehr Zeit für ihren wesentlich lukrativeren Nebenjob zu haben.

Reeperbahn bei Nacht: Gut zu erkennen ist der Eingang zum Szenelokal "Ritze". Im Hintergrund: die Leuchtreklame des Spielkasinos auf der Hamburger Vergnügungsmeile. Rechts ist der Abgang zur S-Bahn zu sehen. Mehr als zwei Monate schaffte Sylvia in einer Seitenstraße der Reeperbahn an.

Unsere Verabredung mit Sylvia hat etwas sehr Konspiratives an sich. Als Treffpunkt schlägt die 26-jährige Frau aus Thüringen ein Restaurant vor, das mehr als 50 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt ist. Und während wir dort am Tisch sitzen, behält Sylvia wachsam die Eingangstür des Lokals im Auge, mustert jeden neuen Gast. Die attraktive Brünette möchte keinesfalls erkannt werden. Schon gar nicht in männlicher Begleitung. Aus verständlichem Grund.

“Ich bin gewissermaßen eine Undercover-Hure”, erklärt uns Sylvia. “Damit will ich sagen: Niemand aus meinem Verwandten- oder Freundeskreis weiß, womit ich tatsächlich mein Geld verdiene - dass ich anschaffen gehe. Auch mein Mann ahnt nichts. Und ganz besonders er darf niemals mein Geheimnis erfahren. Ich glaube, der würde mich totprügeln.”

Ihrem Ehemann Wolfgang, den Freunden und Verwandten hat Sylvia erzählt, sie sei eine Vertreterin für Kosmetikartikel - also ständig auf Achse, nur übers Handy erreichbar. Im Prinzip stimmt das sogar. Was Sylvia ihrem Mann und den anderen allerdings verschweigt, ist, dass sie bloß halbtags arbeitet. Um mehr Zeit für ihren wesentlich lukrativeren Nebenjob zu haben.

Jeden Tag, wenn sie mit ihrer Verkaufs-Tour fertig ist, empfängt Sylvia zahlungskräftige Freier in ihrer Liebeshöhle - einem kuscheligen Ein-Zimmer-Apartment in einem ebenso riesigen wie anonymen Wohnblock. An zwei bis drei Abenden pro Woche bietet die 26-Jährige ihre Dienste außerdem in einem Nachtclub an. Nur das Wochenende hält sie sich stets frei. Denn dann kommt ihr Mann Wolfgang nach Hause. Als Gerüstbauer ist er die ganze Woche über weg. Auf Montage. Was für Sylvias Zwecke äußerst praktisch ist.

Seit nunmehr vier Jahren führt die junge Frau dieses Doppelleben. “Angefangen habe ich damit schon bald nach unserer Hochzeit”, erinnert sie sich. “Wolfgang und ich waren ja so dumm und unerfahren damals. Wir haben uns, als wir zusammenzogen, gleich eine teure Wohnungseinrichtung gekauft, ein großes Auto und diversen Schnickschnack. Alles auf einmal. Und alles auf Pump. Irgendwann stand uns durch die Kreditzinsen das Wasser bis zum Hals. Es musste dringend was passieren.”

Sylvia fragte eine Kollegin, die ständig in den Urlaub flog und immer schicke Klamotten trug, wie sie finanziell so gut über die Runden komme. Die grinste nur, meinte: “Ich mache halt die Beine breit, Schätzchen. Aber nicht umsonst. Und glaub’ mir: Ich bin längst nicht die einzige, die sowas tut.”

Eine Woche später nahm die Kollegin Sylvia mit in ihren Club, stellte sie dem Geschäftsführer vor. Der schien von der gut gebauten Brünetten recht angetan zu sein, gab der Berufsanfängerin eine Chance.

Allerdings hatte sich Sylvia die Sache leichter vorgestellt. “Zuerst meinte ich: Das packst du nie!” erzählt sie. “Mich von fremden Typen angrapschen zu lassen, fand ich eklig. Und als ich einem fetten Kerl einen blasen sollte, hätte ich mich fast übergeben.” Aber mit jedem Freier nahm das Ekelgefühl ab, verlor sie immer mehr ihre Hemmungen.

Sylvia: “Ich machte einfach die Augen, stellte mir vor, mit Wolfgang Sex zu haben. Und wenn das nicht half, dachte ich an unseren Haufen Schulden. Ja, ich tat es für meinen Mann und für mich - für unsere gemeinsame Zukunft.”

Inzwischen hat die Undercover-Hure ein kleines finanzielles Polster auf dem Konto. Also sind die Schulden bezahlt? “Nein, sind sie nicht”, entgegnet Sylvia. “Ich könnte den Betrag ausgleichen. Aber dann müßte ich Wolfgang erklären, woher ich plötzlich das Geld habe. Die Wahrheit kann ich ihm ja nicht sagen. Ich habe schon oft daran gedacht, ihm was von einem Lotto-Gewinn oder einer Erbschaft zu erzählen. Aber so merkwürdig es in meiner Situation auch klingt: Ich mag Wolfgang nicht belügen.”

Wie lange will sie dieses Doppelleben denn noch führen? “Ach, das ist eine schwierige Frage”, antwortet Sylvia. “Manchmal, wenn ich darüber nachdenke, komme ich mir vor wie ein Haifisch, der Blut gerochen hat. Nach den Anfangsschwierigkeiten bin ich gierig geworden - auf Geld und Sex.”

Recherchiert und aufgeschrieben von Markus Wennemann und Sybille Demirel

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