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Sonja (23): “Mein Zuhälter ist eine Frau”

Noch sehr lebhaft erinnert sich Sonja an ein gefährliches Erlebnis, das sie erst vor wenigen Wochen mit einem Kunden hatte. "Als wir allein auf dem Zimmer waren, weigerte sich der Kerl zu bezahlen", erzählt sie. "Statt dessen fiel er wütend über mich her - fing an, mich zu würgen. Zum Glück konnte ich den Alarmknopf drücken, und Myriam kam mir zu Hilfe." Zwei Frauen? Mit denen werde ich schon fertig. Dachte wohl der Randalierer. Doch er täuschte sich gewaltig. Fünf Minuten später - nach ein paar gezielten Karateschlägen von Myriam - lag er kräftig gefaltet vor dem Haus auf der Straße. Und Sonja fühlte sich einmal mehr gut beschützt. "Mein Zuhälter ist eine Frau", sagt sie nicht ohne Stolz.

Nachtclub mit Mann davor: Das Geschäft mit der Liebe läuft für die Betreiber der Etablissements besser als je zuvor. Und: Nahezu die Hälfte der Einnahmen fließen an der Steuer vorbei, schätzen Finanzbeamte.

Die Ladies dringen zunehmend in eine klassische Männer-Domäne ein, werden Zuhälter. Und kennen absolut keine Gnade. Ob Konkurrenz, Freier oder die eigenen Mädchen - wer nicht spurt, bekommt ihre Härte zu spüren.

“Am Anfang ist alles immer ganz easy”, meint Sonja (23), Liebesmädchen in einem Bordell nahe der A7 bei Seesen im Harz. “Ein Freier sagt dir, was oder wie er es gerne hätte. Und du machst einen Preis für deine Dienste aus. Aber wenn du dann mit ihm allein im Bett bist, kann es dir passieren, dass der Typ sehr unangenehm wird. Das kommt gar nicht mal so selten vor. Manche Männer finden es einfach geil, eine Prostituierte zu beschimpfen. Oder noch schlimmer: sie körperlich zu misshandeln. In solchen Fällen ist es gut, wenn du jemanden hast, der auf dich aufpaßt”.

“Gerade in den vergangenen zwei, drei Jahren verzeichnen wir eine enorme Zunahme an weiblicher Macht im Milieu”, erklärt Sexual-Soziologe Bernd Hollerbach (43). “Frauen dringen verstärkt in eine der letzten traditionellen Männer-Domänen ein, betätigen sich als Zuhälter.” Und nicht nur auf dem relativ friedlichen Lande, wie Myriam. Auch im Rotlicht-Dschungel deutscher Großstädte.

In einem kleinen Cafe an der Münchner Leopoldstraße treffen wir Judith. Zumindest möchte sie von uns so genannt werden. Die 38-Jährige ist eine äußerst attraktive Frau. Groß, blond, schlank, perfekt geschminkt. Blaue Jeans, weißes T-Shirt, Lederjacke. Was Judith beruflich macht, sieht man ihr garantiert nicht an: Sie ist Zuhälterin, hat mittlerweile sechs Huren in ihren Diensten.

Wie kann man sich als Frau in diesem Gewerbe behaupten? Judith lächelt. Denn diese Frage hat sie schon häufig gehört. “Zunächst nimmt dich ja keiner so recht wahr oder richtig ernst”, sagt die Blondine. “Aber sobald du anfängst, gewissen Leuten auf die Füße zu treten, weil du in ihren Gewässern fischt, dann solltest du höllisch auf der Hut sein. Mit Diplomatie und freundlichen Worten kommst du nicht weit - wirst du in dem Job nicht lange überleben.”

Unsere Gesprächspartnerin klopft mit der flachen Hand auf ihre Jackentasche. “Fühlt mal!” fordert sie uns auf. “Meine Lebensversicherung…” Deutlich ertasten wir durch das dicke Leder den Knauf einer Waffe. Wurde sie schon mal benutzt? “Mehrfach”, verrät die resolute Blondine. “Allerdings nur zur Abschreckung. Aber ich würde auch nicht zögern, drauf zu halten. In diesem Geschäft mußt du knallhart sein.”

Judith kennt die Branche von der Pike an. Fast zehn Jahre lang ging sie selbst auf den Strich. Daher weiß sie genau, was ihre Mädchen wollen. Aber auch was sie brauchen. “Zuckerbrot und Peitsche”, erklärt Judith. “Mal gibst du ihrer Seele Streicheleinheiten, mal bringst du sie auf Trab. Als eine von ihnen hast du dafür ein viel besseres Händchen als ein männlicher Lude.”

Doch nicht alle Huren haben mit einem weiblichen Zuhälter gute Erfahrungen gemacht. Magdalena (22) aus Grünberg in Polen berichtet: “Als mich in meiner Heimatstadt eine Landsmännin ansprach, ob ich Lust hätte, in einem Berliner Nachtclub viel Geld zu verdienen, schenkte ich ihr sofort Vertrauen. Sie war sehr nett. Aber nur bis zur Grenze. In Deutschland nahm sie mir gleich meine Papiere ab, sperrte mich in einen Keller ein und ließ mich pausenlos vergewaltigen. Frauen können untereinander richtig grausam sei.”

Bei der Recherche half Sybille Demirel.

Huren wollen beschützt werden
Der Sexual-Soziologe Bernd Hollerbach (43): "Prostitution ist ein gefährliches Geschäft. Frauen im horizontalen Gewerbe laufen Gefahr, von gewalttätigen Freiern mißhandelt zu werden oder in die Fänge von Menschenhändlern zu geraten. Sie suchen jemanden, der sie beschützt und auch finanziell fair behandelt." Es ist ein hartes Geschäft und es gib sicher besseres Jobs. "Doch zu häufig sehen die Frauen das nicht und glauben an das schnelle Geld, das sie verdienen. Das sie gleichzeitig ausgenutzt werden und von ihren Zuhältern in eine Schuldenfalle gelockt werden, realisieren sie zu spät ..."

Tobias Nolte schrieb obige erotische Geschichte. - Der begeisterte Regatta-Segler ist 47 Jahre alt und schreibt seit seinem 14. Lebensjahr. Zwölf Jahre war er Reporter bei verschiedenen Lokalzeitungen in Deutschland und Dänemark. Nolte lebt heute abwechselnd in Kopenhagen und Amsterdam.

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