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Das Elend der süchtigen Stricher

Stricher sind offenbar dabei, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Die Szene steigt von Heroin verstärkt auf eine neue Mode-Droge um: Crack. Vielleicht weil die Einnahme einfacher ist. Crack, ein Mix aus Kokain, Backpulver und Wasser, wird nicht gespritzt, sondern in der Pfeife geraucht. Der Stoff geht direkt ins Blut, macht für wenige Minuten sehr euphorisch. Und sofort abhängig. Mit fatalen Folgen auf Psyche und Körper: Bewußtseinsstörungen, Schlafentzug und Aggressivität.

Stricher sind offenbar dabei, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Die Szene steigt von Heroin verstärkt auf eine neue Mode-Droge um: Crack. Vielleicht weil die Einnahme einfacher ist. Crack, ein Mix aus Kokain, Backpulver und Wasser, wird nicht gespritzt, sondern in der Pfeife geraucht. Der Stoff geht direkt ins Blut, macht für wenige Minuten sehr euphorisch. Und sofort abhängig. Mit fatalen Folgen auf Psyche und Körper: Bewußtseinsstörungen, Schlafentzug und Aggressivität. Sie hängen in unseren Bahnhöfen rum, stets bereit für den nächsten Freier: Strichjungen - oftmals noch gar nicht richtig erwachsen und schon am Ende. Hier lesen Sie die tragische Story von Markus. Und warum er mit 20 Jahren bereits lieber tot wäre.

Markus (20): “Am liebsten wäre ich tot”

Samstagnacht, gegen ein Uhr in Hamburg. Viele Jugendliche haben jetzt ihren Spaß. Gemeinsam mit Freunden in der Disco. Oder sie liegen bereits im Bett. Vorzugsweise zu zweit. Anders dagegen Markus (20). Einsam hockt er an einer Rolltreppe nahe dem Hauptbahnhof. Und hofft auf einen Freier. Denn Markus ist Stricher. Er verkauft seinen Körper um zu überleben.

Der 20-Jährige trägt eine Baseballmütze verkehrt herum auf dem strähnigen Blondhaar. Unter seinen Augen liegen tiefe Schatten. Und der Blick flackert ständig ziellos ins Leere. Markus ist drogensüchtig. Seit seinem 16 Lebensjahr.

Während er sich hastig die nächste Zigarette dreht, schildert der junge Mann, wie alles seinen Anfang nahm: “Ich habe mit 15 die Schule geschmissen und bin von zu Hause abgehauen. Nach Hamburg. Weil ich dieses ganze Spießer-Getue bei meinen Eltern einfach nicht mehr aushielt.”

Zunächst konnte Markus bei Leuten übernachten, die er zufällig kennen gelernt hatte. Und kam in schlechte Gesellschaft, wie seine Eltern sagen würden. “Da wurden jeden Abend wilde Drogen-Partys veranstaltet. Mit Haschisch, aber auch härteren Sachen”, erinnert sich Markus.

Bald darauf landete er auf dem Strich. Warum? Markus lächelt vage: “Wie hätte ich sonst meine Sucht finanzieren sollen? Allein mit Gelegenheits-Jobs kriegst du das einfach nicht gebacken. Und kriminelle Nummern wie Einbrüche oder Raubüberfälle sind nun mal nicht mein Ding.”

So geriet der Junge vom Lande in einen Teufelskreis, dessen Sog ihn immer tiefer in den Abgrund riss. Markus: “Ich gehe anschaffen, um mir Stoff kaufen zu können. Andererseits brauche ich die Drogen, damit ich meinen Ekel vor den Freiern überwinde. Ja, so sieht es aus. Traurig, aber wahr.”

Inzwischen hat der 21-Jährige schon ziemlich alles an Drogen ausprobiert, was er so kriegen konnte - Marihuana, Kokain, Heroin. Nach mehreren kalten Entzügen raucht er jetzt Crack. Wenn er gerade einen Kunden hatte. Oder auf den nächsten wartet. Meist im Stundentakt. An schlechten Tagen allerdings auch öfter.

Über seine Lebenssituation ist sich Markus durchaus im Klaren. “Wenn du erstmal dort landest, wo ich bin, steckst du total im Sumpf”, sagt er. “Der Drogenstrich ist echt das Letzte - Endstation, Abpfiff. Weiter nach unten kannst du in deinem Leben nicht mehr abrutschen. Und so wirst du auch behandelt. Für viele meiner Freier bin ich der letzte Dreck.”

Mit welcher Art von Männern hat er es zu tun? “Das ist ganz unterschiedlich”, sagt Markus. “Manche sind gut gekleidet, gepflegt und zum Teil sogar richtig nett - vielleicht Künstler oder leitende Angestellte aus den umliegenden Büros. Einigen sehe ich auf den ersten Blick an, dass sie ein Doppelleben führen - zu Hause den braven Ehemann mimen. Die Mehrzahl der Kunden gehört aber zum menschlichen Abschaum. So wie ich.”

Eine Berufserfahrung von Markus lautet: Je später der Abend, desto fieser die Typen. “Die wissen doch ganz genau: Wer nachts am Hauptbahnhof steht, braucht dringend Kohle”, sagt er. “Und das nutzen sie schamlos aus. Die drücken dich gnadenlos im Preis, verlangen aber die größten Sauereien von dir. Und du machst alles mit. Weil du nur an das Geld für die nächste Pfeife Crack denkst.”

In aller Regel findet der Sex auf die Schnelle im Herren-WC statt. Prinzip: Befriedigung gegen Bares. Ab und zu leistet Markus seine Dienste jedoch auch ohne Cash. Wenn ihm jemand sympathisch ist, eine Dusche, Übernachtung und Frühstück bietet. Denn nicht bei jedem Wind und Wetter hat der Obdachlose Lust, in einer Art Hundehütte vor den Toren der Hansestadt zu campieren.

Was vielleicht überrascht: Eigentlich ist der junge Stricher gar nicht schwul. Es gibt da sogar ein Mädchen, das ihn liebt - Steffi. Aber: “Was kann ich ihr denn für eine Zukunft bieten?” resigniert Markus. “Manchmal denke ich: Am liebsten wäre ich tot. Das wäre das Beste für mich, für meine Eltern und für Steffi.”

Bei der Recherche half Markus Wennemann

Heroin und Crack

Stricher sind offenbar dabei, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Die Szene steigt von Heroin verstärkt auf eine neue Mode-Droge um: Crack. Vielleicht weil die Einnahme einfacher ist. Crack, ein Mix aus Kokain, Backpulver und Wasser, wird nicht gespritzt, sondern in der Pfeife geraucht. Der Stoff geht direkt ins Blut, macht für wenige Minuten sehr euphorisch. Und sofort abhängig. Mit fatalen Folgen auf Psyche und Körper: Bewußtseins-Störungen, Schlafentzug und Aggressivität.

Nico Mertens schrieb obige erotische Geschichte. - Nico Mertens (29) bezeichnet sich selbst als "klassischen Spätstarter". Er brach die Realschule ab, verdingte sich fünf Jahre als Entwicklungshelfer in Afrika, machte das Abitur nach und studierte Jura. Bis zum dritten Semester - dann wechselte er in den Journalismus. "Endlich habe ich meinen Traumberuf gefunden." Der leidenschaftliche Kaffeetrinker schreibt und macht Beiträge für Privatradios.

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