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Erotischer Krimi: Verhängnisvoller Überfall

Überfall einer Prostituierten

Eine Folge aus dem Thriller "Verhängnisvoller Überfall"

Es gab zwei Möglichkeiten: Eileen konnte dem Tankstellenkassierer den Baseballschläger vor den Kopf schlagen. Oder ihm mit dem Schläger die Knie zertrümmern.

Aller Wahrscheinlichkeit nach würde sie nur Gelegenheit für einen einzigen Schlag haben. Sie schaute nach draußen und dachte über das Problem nach. Sie konnte sich nicht entscheiden.

Draußen hatte ein Mann - sie gab ihm den Namen Sonnyboy - seinen steinalten Opel Omega vollgetankt. Sonnyboy war gut gewachsen, fand Eileen. Aber langsam wie ein Rentner schlurfte er herüber, obwohl er nicht weit über dreißig sein konnte.

Sie machte sich zwischen den Regalen kleiner, er brauchte sie nicht unbedingt sehen.

“Willst du wie immer?”, erkundigte sich der Kassierer, und sein Nuscheln war schwer zu verstehen für Eileen, da die Klimaanlage auf Hochtouren sirrte.

“Jo”, sagte der Sonnyboy und steckte die vom Kassierer hingelegte Packung West ein. Sonnyboy zahlte bar, mit einem knisternden, neuen Einundert-Euro-Schein.

Umso besser für sie.

Die Zigarette im Mund schien die Laune des Sonnyboys zu bessern. Jedenfalls waren seine Schritte hinaus schneller. Und als ihm die Tür des Tankstellenminimarkts auch noch von außen aufgehalten wurde, bedankte Sonnyboy sich sogar:

“Korrekt, Digga!”

Digga - das fand Eileen stark. Sagte der Sonnyboy zu einem wildfremden Menschen einfach so ein schickes Digga. Sie grinste zwischen den Regalen, und das entspannte sie.

Ab sofort also Digga. Digga kam herein - hatte so einen tänzelnden Schritt drauf - und begann, bei den Biersorten hinten in der Kühlung zu klimpern.

Zeit für Eileens Auftritt. Sie kam zwischen den Regalen für Chips (links) und Verbandskästen (rechts) hervor. Der Geruch von Aufbackbrötchen aus der Vitrine neben der Kasse hüllte sie ein.

Der Kassierer musterte sie gleich. Ausführlicher als den Sonnyboy. Als wenn er einen sechsten Sinn hätte. Neben der Kasse hatte er ein Happy Weekend-Magazin liegen, das aufgeschlagen war auf einer Doppelseite mit Reeperbahn-Clubs.

“Was soll’s sein?”, nuschelte er.

“Äh …” Sie hatte vergessen, etwas aus den Regalen mitzunehmen. Hinten klapperte Digga weiter mit den Flaschen, und der Kassierer schaute in den Spiegel, welcher oben in einer Ecke angebracht war, und mit dem er das Kühlregal im Blick behalten konnte.

Eileen sagte “Ich nehme die hier” und legte eine Packung Gummibärchen neben die Schale für das Wechselgeld. Dazu fingerte sie einen Fünf-Euro-Schein aus der Manteltasche. Was schwierig war, da ihr der Baseballschläger nicht unten herausrutschen durfte.

“Is’ kühl, wa’?”, meinte der Kassierer, sah auf ihren Mantel und nahm den Geldschein und öffnete die Kasse. Draußen knallte die Mittagssonne. Es war August.

“Willst du mir dumm kommen?”, meinte Eileen.

“I… ich meine doch nur. Die Klimaanlage macht einen Gefrierschrank hier aus dem —” Er brach ab und starrte auf den Baseballschläger, den Eileen ihm über die Theke hinweg vor das Brustbein hielt.

“Jetzt kannst du wählen”, sagte Eileen, fasste den Schlägerschaft mit beiden Händen und hob die Stimme kein bisschen, denn Digga an der Kühlung hinten brauchte nicht mitbekommen, worüber sie hier vorn plauderten. “Entweder du gibst mir dein Geld und siehst deine Frau heute Abend wieder. Oder du gibst mir kein Geld, und du siehst sie nicht wieder.”

“A… aber meine Frau ist vor drei Jahren gestorben!”

“Und dein Vater?” Ihr war nicht klar, warum ihr jetzt der Vater einfiel.

“Ist auch tot.”

“Dann geht es dir wie mir.” Sie stieß ihm die Spitze des Baseballschlägers gegen das Brustbein. “Los, nimm die Scheine aus der Kasse.” Ewig würde sie nicht Zeit haben. Sie hatte gestern festgestellt, dass in der frühen Mittagszeit am wenigsten Kundenverkehr war, natürlich konnte dennoch jemand hereinkommen.

Der Kassierer reichte ihr die Scheine herüber.

“Den Hunderter auch.”

“Was für’n Hunderter?”

Sie langte über den Verkaufstresen und riss die Wechselgeldschale aus der Kasse, und darunter lag der Hunderter und weiteres Papiergeld: “Her damit —”

Der Kassierer entriss ihr den Baseballschläger, den sie nur noch in einer Hand gehalten hatte. Das brachte sie aus dem Gleichgewicht. Im Fallen wurde ihr bewusst, dass hinter ihr schon seit längerem kein Bierflaschenklimpern mehr zu hören gewesen war. Wie in Zeitlupe sah sie, wie ihr das bereits eroberte Geld entglitt und auf die Fliesen segelte. Wie sie sich selbst mit der linken Schulter voran daneben legte. Wie der Kassierer um den Tresen herum hechtete, den Baseballschläger in der Hand. Und direkt hinter ihr stand nun der verdammte Digga. Schaute mit aufgerissenen Augen abwechselnd auf sie und den Kassierer, der schon mit dem Schläger ausholte, der doch ihr gehörte.

Das brachte sie auf Trab. Sie raffte die Scheine zusammen, die sie innerhalb von Sekundenbruchteilen erreichen konnte, rappelte sich hoch und stürzte zum Ausgang. Leider hielt ihr niemand die Tür auf, und deswegen verstauchte sie sich am Türglas die Faust, die das Geld umklammerte. Von der Wucht sprang die Tür auf, und Eileen sprintete an der ersten Tanksäule vorbei. Über die Straße hinweg, sie sah nicht nach rechts und links.

Wahnsinnig gefährlich. Das Geld nicht wert. Gefährlicher als jede Nacht auf der Süderstraße, wenn sie zu den Männern in die Autos stieg. Dabei war in der Vorstellung alles einfach gewesen.

Aber das erste Mal Anschaffen war in der Fantasie ebenfalls easy gewesen.

In der Realität hatte es sich als Knochenjob herausgestellt, und sie hasste es. Aber das hier? Eine Lösung war das nicht.

Die ganze Zeit war sie gelaufen. Sie wurde langsamer, wollte verschnaufen, schaute sich um.

Da war der Kassierer hinter ihr!

Sie sah das weiße in seinen Augen, das wutverzerrte Gesicht.

“Stehen bleiben, du Schlampe!”, krächzte er. Viel mehr Luft als sie hatte er auch nicht.

Sie machte einen Ausfallschritt, und er tapste ins Leere. Das brachte ihr eine Sekunde, und sie bog ab in eine Seitenstraße.

Lange würde sie nicht durchhalten. Das letzte Mal Sport hatte sie in der fünften Klasse gehabt. Danach war sie aus dem Heim ausgerissen, hatte auf der Straße gelebt, war wieder eingefangen worden, ausgerissen …

Sie war am Ende. Am liebsten hätte sie die Scheine fortgeworfen, die immer noch in ihrer Faust steckten, und dazu gerufen: “‘Tschuldigung, war mein Fehler. Hier hast du das Geld. Lass es uns vergessen.”

Sie versuchte, das Geld fallenzulassen. Es ging nicht. Die Faust öffnete sich nicht. Gefühllos und störrisch hatte sie ihren eigenen Willen.

Vielleicht könnte Eileen den Tankstellenkassierer mit einem Blow Job dazu bringen, sie laufen zu lassen. - Eine bessere Möglichkeit bot sich:

Am Straßenrand sah Eileen neben einem Bushaltehäuschen zwei gelbe Container stehen. Oben heraus quollen gelbe Säcke voller Plastikmüll. Eileen quetschte sich zwischen die Container und hielt die Luft an, um den Verfolger nicht durch Geräusche auf sich aufmerksam zu machen. Doch schon im nächsten Moment musste Eileen ausatmen. Zum Glück kam niemand. Sie keuchte und versuchte, ihre Atmung zu beruhigen.

Schon glaubte Eileen, den Kassierer endlich abgeschüttelt zu haben, da tauchte er auf: So dicht neben ihr blieb er stehen, dass sie ihn fast mit dem ausgestreckten Arm antippen konnte. Er schaute an der Schule vorbei die Straße entlang, und sein Atem pfiff dabei. Der Kopf war rot, eine Ader an der Schläfe geschwollen. Kurz vorm Herzinfarkt, fand Eileen.

Noch jemand kam angelaufen, und Eileen konnte zwischen den Containern nicht sehen, wer es war.

“Ich kann nicht mehr”, japste der Kassierer, “die Scheißschlampe ist weg mit meinem Geld.”

“Wo ist sie hin?”, fragte der Unsichtbare, und Eileen erkannte ihn an der Stimme:

Es war der verdammte Digga. Bestimmt zehn Jahre jünger als der Kassierer und entsprechend besser in Form.

“Sie ist die Straße entlang. Eben habe ich sie noch gesehen”, nuschelte der Kassierer.

Digga sagte: “Gehen Sie zurück und machen sich keine Sorgen. Ich erwische die Schlampe.”

Dieser blöde Digga!

“Wieviel Geld war es?”, erkundigte sich Digga.

“Mindestens fünfhundert.”

Digga pfiff durch die Zähne: “Nicht schlecht.”

“Das muss ich dem Chef aus eigenem Portemonnaie dazulegen”, klagte der Kassierer.

“Wenn Sie zurück sind, verständigen Sie am besten die Polizei. Ich laufe ihr hinterher. Ich kriege sie”, meinte Digga.

Scheiße!

Eileen sah Digga vorbeiwischen, und der Kassierer rief Digga “Okay” hinterher.

Sie musste vorsichtig bleiben. Drei Minuten wartete sie, in denen es still blieb, und sie vermutete, dass der Kassierer sich tatsächlich auf den Rückweg zur Tankstelle gemacht hatte. Dennoch wäre sie zur Sicherheit noch länger zwischen den Containern hocken geblieben. Warten hatte sie gelernt auf dem Strich. Sie hätte sich höchstens den Mantel ausgezogen, in dem es ihr trotz des Schattens, den die Container spendeten, verdammt heiß geworden war, und in dessen Innentasche sie das Geld gestopft hatte. Die Faust hatte es endlich losgelassen. Aber ein Gong ertönte, und eine Minute später hörte Eileen Kinderlärm, der schnell anschwoll. Kinder krochen in jede Lücke, tollten überall herum, und würden sie finden. Also stolperte Eileen hervor und wäre zwischen all den Kindern nicht weiter aufgefallen — wenn sie nicht einen Kopf größer als die Kinder gewesen wäre und nicht im Mantel dagestanden hätte. Sie zog den Mantel aus. Die Springerstiefel, die Netzstrumpfhose und der schwarze Minirock ließen sie noch mehr auffallen. Wenigstens war ihr nicht mehr so heiß. Sie schaute sich um. Außer den Kindern war niemand auf der Straße. Eileen ging los.

“Also leckere fünfhundert Euro”, sagte Digga und lehnte an der Außenwand des Bushaltehäuschens.

Scheißspiel! “Her damit”, sagte er und machte Zeichen mit den Fingern. Er hatte sogar den Baseballschläger dabei.

“Verpiss dich”, sagte sie und beschleunigte ihre Schritte. Sie hatte keine Lust mehr und wollte nur noch nach Hause.

Sie hörte, dass er hinter ihr war. Also wurde sie noch schneller, ohne aber in einen Laufschritt zu verfallen. Sie war zu erschöpft, um laufen zu können. Er blieb hinter ihr. Sie bog mehrmals ab, durchquerte eine Hauspassage. Digga verfolgte sie.

“Die Polizei wird dich kriegen!”, rief er ihr nach, und sie drehte sich um und wollte ihm etwas entgegenschleudern, aber ihr fiel nichts ein. Ihr Kopf war so leer wie ihre Lungen. Sie sah sein Grinsen. Es machte ihm Spaß.

“Sie werden dich kriegen! Aber vorher will ich das Geld. Und vielleicht noch einen kleinen Nachschlag. Für den ganzen Aufwand, Schlampe.”

Eileen verschwand in einem Hauseingang. Es roch nach Schwamm, und natürlich war es ihr eigener Eingang. Ihre Füße fanden ihn immer, sie lenkten Eileen wie von selbst nach Hause. Egal wie lang die Nacht gewesen war, und wie übel die Kerle mit ihr umgesprungen waren.

Mit letzter Kraft schaffte sie es bis in den dritten Stock. Hier wohnte sie, hier war ihre Burg. Mit Sicherheitsschloss und Panzerriegel von innen quer über das Türblatt.

“Was meinst du dazu, Schlampe?” Seine Stimme hallte durchs Treppenhaus. Den Nachbarn würde es egal sein. Hier kümmerte sich jeder um seine eigenen Angelegenheiten. Er kam die Treppe herauf und war im ersten Stock.

Sie suchte den Haustürschlüssel. Zuerst in den Mantelaußentaschen. Sie hatte den Mantel während der Flucht durch die Stadt nirgendwo liegenlassen, und das Geld war noch da. Aber der Schlüssel war nicht zu finden, und sie konnte sich nicht mehr erinnern, wo sie ihn hingesteckt hatte.

Unten knarrten die Dielen. Sie kannte das Geräusch, es war der Treppenabsatz im zweiten Stock.

“Schlampe, mach dich bereit.”

Sie fingerte in der Gesäßtasche des Minirocks und im BH. Der verdammte Schlüssel …!

“Zahltag, Schätzchen.” Er hielt ihr sein Grinsen dicht vor die Nase, und sie roch seine Fahne. Er war widerlich.

“Nicht hier … bitte … nicht im Treppenhaus.”

Ihr Wimmern stachelte ihn an. Er rammte ihr seine Faust zwischen die Beine und riss den Minirock so heftig hoch, dass er zerfetzte.

“BITTE … Digga!” Ihr rutschte der Mantel aus der Hand und fiel mit einem metallischen Geräusch auf das Linoleum des Treppenabsatzes.

Er ließ von ihr ab.

“Wie nennst du mich?”

“Digga”, sagte sie.

“Das hat ja noch niemand zu mir gesagt, Schlampe.” Er zeigte ihr wieder sein Grinsen.

“Doch, doch. Der Sonnyboy in der Tanke, der hat dich Digga genannt.”

“So? Kann mich nicht erinnern. Aber gefällt mir.”

“Super”, sagte sie und schloss die Schenkel, so gut es ging.

“Noch mehr würden mir allerdings die Scheinchen gefallen. Wo sind sie, Schlampe?”

“In der Manteltasche.”

Er bückte sich nach dem Mantel; sie nutzte die Gelegenheit, um die Beine zusammenzustellen und die Bluse so weit über Po und Schoß zu ziehen, wie es ging. Er hob ihren Mantel auf und griff zum Geld. Unter dem Mantel lag der Schlüssel, er musste herausgefallen sein. Digga schnappte ihn sich und schloss auf.

“Immer herein in die gute Stube”, sagte er und stieß Eileen so heftig in den Flur, dass sie strauchelte. Er kam hinterher und kickte die Wohnungstür mit dem Absatz zu.

Schon war er über ihr: “Schlampe, ich will meinen Nachschlag.”

“Was für Nachschlag? Lass mich!”

“Du weißt schon. Die Belohnung für den ganzen Aufwand.” Er hatte seinen steifen Penis in der Hand und zerriss Eileens Netzstrumpfhose.

“Ey, ich will das nicht!” Sie wollte ihn wegstoßen — ein wilder Schmerz durchzuckte ihr verletztes Handgelenk.

“Der Tankwart wollte bestimmt auch nicht, dass du ihm die Knete wegnimmst, Schlampe. Manchmal passieren Sachen, die muss man erdulden.”

Mit den Knien spreizte er ihre Schenkel.

In dem Moment klingelte es an der Wohnungstür.


Der Text wurde von Lion C. Rationus geschrieben.

Der frühere Polizeireporter Lion C. Rationus schreibt spannende Reeperbahn-Thriller. Mehr von dem Autoren findest du hier auf Amazon.

Erschienen am 28.3.2017 | zurück zur Startseite


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Eine Folge aus der Reihe "Verhängnisvoller Überfall". Die weiteren Thriller der Reihe:

  1. Wovon Huren träumen
  2. Der Hühnertreiber im Bordell

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