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erotische Geschichten

Paradiesische Liebe hinter der Reeperbahn

Eine Folge aus dem Thriller "Die Sexdroge"

Charlotte kam es vor, als watete sie durch einen Nebel aus Zuckerwatte. Süß und wolkig war er und schlug auf den Magen, wenn man viel davon naschte. Dennoch wollte man nicht aufhören, davon zu schlecken. — Entschlossen schob sie die Watte beiseite.

Was machte dieser Typ in ihrem Bett?

Langsam kehrte die Erinnerung zurück.

Mister Astra lag neben ihr … sie kramte in ihrem Gedächtnis nach seinem richtigen Namen, er hatte ihn genannt.

Maximilian, so hieß er. Und sie hatte ihn mit hinauf genommen. Obwohl er versucht hatte, sie zu vergewaltigen.

Wie war es dazu gekommen, wie hatte sie das tun können?

„Du bist wieder wach? — Du warst eingeschlafen, Charlotte. Ich konnte nicht aufhören, dich anzuschauen. So süß sahst du aus.”

Er wollte sie in den Arm nehmen, aber Charlotte wehrte ihn ab, stützte sich auf den Ellbogen. Das Oberbett rutschte zurück und die Kühle verwehte die Reste der Zuckerwatte.

„Maximilian …” Sein Name war überraschend kompliziert auszusprechen, ihre Zunge verknotete sich fast. „… wie ist das passiert?”

Sie merkte, dass sie enormen Hunger hatte. Er wütete in der Magengrube. Bis in den Kopf zog er sich hinauf; ein Gefühl, dass neu für sie war.

Gier auf Gurken und Brötchen und Verlangen nach … auf was bloß?

Ihr fiel die blaue Pastille ein.

Vorhin bereits hatte sie Maximilian danach gefragt. Oder war es vor Stunden gewesen?

Mehr Erinnerungen stiegen auf. Bilder von wildem Sex, von erfüllendem Sex, wie sie ihn mit keinem Mann zuvor erlebt hatte. Erst mit Maximilian …

Mit ihm war der Sex warm gewesen und wohlig und paradiesisch. So konnte das Leben also tatsächlich sein.

War hier das fehlende Puzzleteil, und Maximilian besaß es?

Aber das wäre falsch. Charlotte war nicht dumm. Sie war sicher, dass der Sex mit Maximilian in einem Rausch passiert war; einem Rausch der von einer Chemie verursacht worden war: von dieser blauen Pille. Nachdem sie die Pille probiert hatte, war das Verlangen da gewesen und das unglaubliche Liebesgefühl und der unbeherrschbare Trieb, es zu verströmen. Die eigene Liebe zu verteilen, um mehr noch davon zu empfangen. Sie hatte so viel zu geben und mit Maximilian spürte sie alles intensiver. So intensiv wie mit keinem zuvor.

Aber es war nicht echt, glaubte Charlotte. Obwohl die Gefühle, welche die blaue Pastille auslöste, die waren unzweifelhat echt und stark. Aber sie waren nicht real.

Charlotte schüttelte den Kopf. Sie dachte Unsinn, sie war nicht klar.

Also stand sie auf. Sie wollte nicht länger zusammen mit Maximilian in einem Bett liegen.

Nie mehr würde sie ohne ein Messer aus dem Haus gehen. Nie mehr würde sie einem Mann wehrlos gegenübertreten.

Als Maxi sie mit bewundernden Augen anschaute, wurde ihr bewusst, dass sie nackt war.

„Du bist wunderschön, Charlotte.”

Mit zwei hastigen Schritten verschwand sie ins beengte Badezimmer. Schloss die Tür. Schaute in den Spiegel, sah aus wie immer. Steckte den Kopf wieder durch die Tür. „Maximilian …?”

Er war ebenfalls aufgestanden, suchte nach seinen Sachen, welche er um das Bett verteilt hatte. Maximilian hatte einen Körper, der nicht eigentlich durchtrainiert war. Aber er war gut in Form, sehnig und mit einer angenehmen Bräune versehen. Maximilian würde sich viel im Freien aufhalten und dabei ordentlich in Bewegung sein.

Mit fragendem Blick richtete er sich auf, hielt Jeans und Hemd in der Hand:

„Alles in Ordnung zwischen uns, Charlotte?”

„Hast du noch welche von den Pillen?”

„Was für Pillen?”

„Diese blaue Pille. Sie war in deiner Jackentasche.”

„In der Jacke?!” Er klaubte sie vom Boden, griff in die Tasche, förderte aber nichts zu Tage.

„Ich habe sie nicht gestohlen”, beeilte sich Charlotte zu versichern, „sie ist … mir in die Hand geraten, als ich dich wegschubste auf der Toilette.”

„Entschuldige, dass ich dich …” Er ließ den Satz unvollendet, brachte es nicht übers Herz, das Wort auszusprechen.

„Dass du mich vergewaltigen wolltest?”

Zerknirscht nickte er.

Sie dachte nicht daran, eine Entschuldigung von ihm anzunehmen. Was er getan hatte, war unverzeihlich. Umso unverständlicher, dass sie sich mit ihm eingelassen hatte. Nein … so unverständlich war es nicht, es war diese Pille …

„Hast du noch welche von den Pillen?”

„Die Pastille … ich wusste gar nicht, das ich eine davon in der Tasche hatte. Der Gnom muss sie mir zugesteckt haben.”

Sie schloss die Badezimmertür wieder und streckte ihrem Spiegelbild die Zunge entgegen. Wie konnte sie mit dem Fast-Vergewaltiger über Pillen reden, überhaupt Worte wechseln?

Maximilian rief nach ihr.

Sie spritzte sich Wasser ins Gesicht und antwortete ihm nicht.

Sie hatte mit ihm geschlafen. Schön war es gewesen, behaupteten ihre Erinnerungen, und sie war geneigt, ihnen zu glauben.

Ihre Erinnerungen waren echt. Auch ihre Gefühle waren echt gewesen. Hervorgerufen worden waren sie durch eine bisher unbekannte chemische Reaktion, die ausgelöst wurde durch die blaue Pille.

Sie wollte die wunderbaren Gefühle erneut erleben. Nie zuvor hatte sich die Liebe so wahrhaftig angefühlt.

„Das ist verrückt”, sagte Charlotte ihrem Spiegelbild. Und gefährlich, dachte sie.

Du begibst dich auf eine abschüssige Ebene, Charlotte. Diese Pillen brauchst du nicht, es sind die falschen Teile für dein Puzzle.

„Besser du gehst jetzt, Maximilian”, murmelte Charlotte.

Natürlich hatte er das nicht hören können.

Oder doch?

Sie riss die Tür auf.

„Maximilian, bist du noch da?”

Sie sah ihn nicht. Sie befürchtete, dass er fort war. Sie hoffte es. Er brachte sie durcheinander. Seine Klamotten jedenfalls waren weg.

Charlotte schaute um die Ecke: in die Kochnische, in das Zimmer ihrer Freundin. Maximilian blieb verschwunden.

Ihr Magen knurrte. Der Schmerz im Kopf wurde schärfer. Sie dachte wieder an die Pille, welche die paradiesische Liebe versprach.

Bald, nachdem sie ein Brötchen verschlungen hatte, konnte sie an nichts anderes mehr denken.

Fortsetzung morgen


Der Text wurde von Lion C. Rationus geschrieben.

Der frühere Polizeireporter Lion C. Rationus schreibt spannende Reeperbahn-Thriller. Mehr von dem Autoren findest du hier auf Amazon.

Erschienen am 15.11.2016 | zurück zur Startseite


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Eine Folge aus der Reihe "Die Sexdroge". Die weiteren Thriller der Reihe:

  1. Das Hutzelmännchen von der Reeperbahn
  2. Mister Astra von der Reeperbahn
  3. Der geheime Garten an der Reeperbahn
  4. Erfahrungen einer Hure auf der Reeperbahn
  5. Nostalgische Neonreklamen auf der Reeperbahn
  6. Kiez und Kinder

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