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erotische Geschichten

Die junge Kollegin des Kommissars

Eine Folge aus dem Thriller "Tessy und die Zärtlichkeit des Kommissars"

Teil 4 des erotischen Krimis “Tessy und die Zärtlichkeit des Kommissars” - Tessy hätte es für eine gewagte Behauptung gehalten, dass Kerstin besser aussah als in den frühen Morgenstunden. Immerhin schien sie sich ein wenig gefasst zu haben.

Unser Redakteur Tobias Nolte hat den Roman "Tessy und die Zärtlichkeit des Kommissars" komplett gelesen. Nolte: "Ich habe das Buch auf meinem Kindle verschlungen. Spannend, flüssig geschrieben. Tessy ist eine ehemalige Journalistin, die als Privatdetektivin in Berlin arbeitet. Sie ist davon überzeugt, dass der Selbstmord eines Bekannten in Wirklichkeit ein Mord ist. Durch ihre Ermittlungen gerät Tessy in Lebensgefahr. Autorin Lara Wolf schildert Tessys Abenteuer so lebensecht und mit Einfühlungsvermögen, dass ich jede Faser der Hauptfigur vor mir sehe. Wirklich gut gemacht. Tessy ist sexuell äußerst interessiert - an Männern und Frauen. Das ist ziemlich schamlos, aber ohne reißerische Übertreibungen geschildert: eine anregende Lektüre.
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Aber der Eindruck konnte auch täuschen: Cindy und Nick waren inzwischen zu Hause, und Kerstin gab sich große Mühe, ihren neun und sieben Jahre alten Kindern kein Bild des Jammers zu bieten. Als Tessy in dem kleinen Einfamilienhaus in Lichtenrade eintraf, duftete es nach frisch aufgebrühtem Kaffee. Zwei Beamte hatten im Wohnzimmer in der Essecke Platz genommen, einer davon war Dirk Hanter, dessen Bartschatten zwischenzeitlich hatte weichen müssen; neben ihm saß eine junge Kollegin – höchstens Ende Zwanzig und sehr attraktiv.

Tessys linke Augenbraue schnellte in die Höhe, als sie grüßend eintrat. Dirk fing Tessys Blick ein und nickte mit leisem Lächeln, während Kerstin Tassen und Kaffee bereitstellte.

„Bitte bedienen Sie sich“, sagte Kerstin leise und setzte sich.

Wie oft haben wir hier schon zusammen gesessen, über Männer und Frauen gelästert, meine Affären durchgehechelt, gelacht oder Probleme gewälzt, fuhr es Tessy durch den Kopf, während sie an ihrem Kaffee nippte. Nun war Patrick tot, und der Schock war so groß, dass Kerstin das einzig Richtige tat: Sie versuchte, weiter zu funktionieren und irgendwie die Zeit zu ertragen. Und Kerstin hatte, abgesehen von Tessys Unterstützung, nicht allzu viel Hilfe. Ihre Eltern führten ein Hotel an der Ostsee und waren nicht von einem Tag auf den anderen abkömmlich. Soweit Tessy es mitbekommen hatte, wollte Kerstins Mutter versuchen, in ein, zwei Tagen nach Berlin zu kommen. Und die Schwiegereltern mussten erst mal selbst mit dem Schock zurechtkommen. Patrick war der einzige Sohn gewesen.

Hanters junge Kollegin Sabrina Kellner ergriff plötzlich das Wort, um sich vorstellen. Sie lächelte, als säße sie in einer Talkshow und würde gleich ihre neue CD in die Kamera halten. Sie war blauäugig und honigblond und hatte einen lupenreinen Teint. Tessy spürte giftige Antipathie hochsteigen. Wie albern. Hanter rührte seinen Kaffee um und sah dann Kerstin an.

„Danke für Ihre Bereitschaft zu diesem Gespräch“, sagte er zu Kerstin. „Ich weiß, dass es schwer ist, in einer solchen Situation auch noch persönliche Fragen zu beantworten. Doch je eher wir die Fakten zusammengetragen haben, desto schneller können wir uns ein Bild machen.“

Seine fast sanft klingende Stimme und die behutsame Art, in die Befragung einzuführen, gefielen Tessy. So hatte sie ihn bisher noch nicht erlebt, was kaum verwundern durfte. Er sah stets die Journalistin in ihr – also eher eine Konkurrentin im Wettstreit um Informationen, bestenfalls eine Art Kollegin aus einer berufsverwandten Sparte, der man, eine Hand wäscht die andere, auch mal auf die Sprünge helfen konnte – und gab sich häufig kurz angebunden oder sogar unwirsch. Und natürlich hatte sie normalerweise bei polizeilichen Ermittlungsgesprächen nichts verloren.

Kerstin nickte. „Das sehe ich ganz ähnlich.“ Sie schlug ein Bein über das andere und legte die Hände in den Schoß.

„Wir haben inzwischen einige Ermittlungsergebnisse vorliegen“, fuhr Dirk fort. „Über die wollen wir mit Ihnen reden.“ Er zog ein Notizheft hervor. „Ihr Mann hatte Schlaftabletten genommen. Welches Medikament in welcher Dosierung erfahren wir frühestens morgen, wahrscheinlich sogar erst am Montag. Können Sie uns dazu etwas sagen?“

Tessy hielt kurz den Atem an. Die Information war neu für Kerstin. Bislang hatte es noch keine Gelegenheit gegeben, die Freundin über ihr morgendliches Telefonat mit Dirk zu informieren.

Kerstin sah ihn einen Moment stumm an und warf Tessy einen Seitenblick zu. Dann schüttelte sie den Kopf.

„Das muss ein Irrtum sein“, sagte sie mit fester Stimme. „Unmöglich. Patrick nimmt … nahm höchstens mal eine Kopfschmerztablette und Schlaftabletten noch nie. Seitdem er Alkoholprobleme hatte, ist er noch vorsichtiger gewesen, auch wenn das jetzt schon eine ganze Weile zurück liegt. Er ist … war völlig trocken.“ Sie schluckte. „Tessy kann das bestätigen – alle können das bestätigen.“

„Ja, ich weiß“, gab Hanter freundlich zurück. „Die Leute, mit denen wir bislang darüber gesprochen haben, erklären das mit großem Nachdruck, dennoch: Ein Irrtum ist ausgeschlossen. Hinzu kommt, dass die Menge erheblich war, wie eine erste gerichtsmedizinische Untersuchung inzwischen ergab, und nun drängt sich die Schlussfolgerung auf, dass Ihr Mann seinem Leben ein Ende setzen wollte.“

Kerstin riss die Augen auf. „Wie bitte?“ Sie ballte die Hände zu Fäusten. „So ein Blödsinn! Warum sollte er das tun?“ Ihre Stimme bebte plötzlich vor Zorn und Empörung.

Tessy wollte ihr beruhigend auf die Schulter klopfen, aber Kerstin schüttelte ihre Hand ab, während Miss Honigblond Sabrina Kellner dankenswerterweise ihr tumbes Lächeln abrupt einstellte. Nur Dirk zuckte mit keiner Wimper. „Das ist eine gute Frage.“

„Quatsch! Er wollte sich nicht umbringen – es gab keinen Grund! Patrick war bester Dinge. Er hatte einen neuen Job, und wir beide haben uns wieder so gut verstanden, dass wir einen Neubeginn planten …“

„Ja, ich weiß, Frau Riemer. Dennoch spricht einiges dafür …“

„Was heißt einiges?“ Kerstins Stimme schraubte sich noch weiter in die Höhe, und einen Augenblick lang befürchtete Tessy, dass sie aufstehen und Dirk irgendetwas um die Ohren hauen würde. Die Kaffeekanne zum Beispiel. Zuzutrauen wäre es ihr – Kerstin hatte ein äußerst aufbrausendes Temperament und entsprach damit der landläufigen Einschätzung, dass Rothaarige zu heftigen Ausbrüchen neigten.

„Hören Sie, Frau Riemer, es geht nicht darum, Ihnen eine schauerliche Geschichte unterzujubeln oder Sie zu verunsichern – ich gebe nur wieder, was wir vorgefunden und dazu bisher ermittelt haben“, erklärte Dirk unvermindert ruhig. „Ich habe Verständnis für Ihre Reaktion, aber ich bin nicht verantwortlich für das, was passiert ist.“

„Nein, natürlich nicht.“ Kerstin atmete tief aus und sah kurz zu Boden. Sie versuchte sich zu beruhigen. „Entschuldigen Sie, aber … Es ist so ungeheuerlich, was Sie sagen.“

Hanter nickte. „Ja, ich weiß, aber ich kann Ihnen das nicht ersparen. Machen wir weiter?“

Kerstin lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Natürlich. Fahren Sie fort.“

„Ihr Mann hatte verschiedene Unterlagen von seinem alten Arbeitgeber zu Hause, bei dem er Mitte der Woche seinen letzten Arbeitstag hatte.“ Dirk warf einen Blick in sein Notizheft. „Dienstag, um genau zu sein.“

Kerstin zuckte mit den Achseln. „Mag sein. Und?“

„Nach Einschätzung seiner Vorgesetzten hat er die mitgehen lassen, um Kunden für seine neue Firma abzuwerben.“

Tessy machte den Mund auf und rasch wieder zu, als Dirk ihr einen scharfen Blick zuwarf. Kerstin war völlig verdattert. Sie starrte ihn an und schüttelte schließlich den Kopf. „Patrick und Unterlagen klauen? Niemals! Vielleicht hatte er noch abschließende Arbeiten zu erledigen und schlicht vergessen, die Sachen wieder abzugeben. Mit wem haben Sie denn gesprochen? Mit Maren Wildorn?“

Dirk nickte.

„Die beiden konnten einander nicht ausstehen! Und die Wildorn ist eine ganz falsche Schlange“, erklärte Kerstin heftig. „Die hat schon so manchen aus der Firma gedrängt. Es würde mich nicht wundern, wenn sie Patrick im Nachhinein was anhängen will.“

Hanter setzte eine nachdenkliche Miene auf, während seine Kollegin beeindruckt schien und die Lippen schürzte.

„Für uns stellt sich das ein wenig anders dar“, hob Dirk erneut an. „Frau Wildorn hat sich am Freitag gegen Abend mit Ihrem Mann in einem Bistro in der Nähe seiner Wohnung getroffen. Sie wollte in aller Ruhe mit ihm reden und ihn um die Herausgabe der Akten bitten – den Verlust und ihren Verdacht hatte sie übrigens zuvor der Geschäftsleitung gemeldet.“

Fortsetzung morgen

Erschienen am 04.12.2016 | zurück zur Startseite


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Eine Folge aus der Reihe "Tessy und die Zärtlichkeit des Kommissars". Die weiteren Thriller der Reihe:

  1. Die Liebesnacht vor dem Tode
  2. Der Geruch der Angst
  3. Ein Bier mit dem Kommissar

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