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erotische Geschichten

Ein Bier mit dem Kommissar

Eine Folge aus dem Thriller "Tessy und die Zärtlichkeit des Kommissars"

Teil 3 des erotischen Krimis “Tessy und die Zärtlichkeit des Kommissars” - Als Tessy fast drei Stunden nach ihrem frühen Aufbruch nach Marienfelde zurückkehrte, hatte sie frische Brötchen dabei. Es kam ihr ziemlich unpassend vor, an ein appetitliches Frühstück zu denken, aber sie hatte Hunger, und mit leerem Bauch war sie zu nichts zu gebrauchen.

Unser Redakteur Tobias Nolte hat den Roman "Tessy und die Zärtlichkeit des Kommissars" komplett gelesen. Nolte: "Ich habe das Buch auf meinem Kindle verschlungen. Spannend, flüssig geschrieben. Tessy ist eine ehemalige Journalistin, die als Privatdetektivin in Berlin arbeitet. Sie ist davon überzeugt, dass der Selbstmord eines Bekannten in Wirklichkeit ein Mord ist. Durch ihre Ermittlungen gerät Tessy in Lebensgefahr. Autorin Lara Wolf schildert Tessys Abenteuer so lebensecht und mit Einfühlungsvermögen, dass ich jede Faser der Hauptfigur vor mir sehe. Wirklich gut gemacht. Tessy ist sexuell äußerst interessiert - an Männern und Frauen. Das ist ziemlich schamlos, aber ohne reißerische Übertreibungen geschildert: eine anregende Lektüre.
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Außerdem verfügte sie grundsätzlich über einen robusten Magen und einen gesunden Appetit, auch und gerade bei nervlicher Anspannung, was ihre gertenschlanke und diätversessene Mutter stets entsetzte – aber das spielte nun wirklich keine Rolle.

Tessy betrat das Grundstück durch die kleine Gartentür. Direkt hinterm Zaun begannen Wiese und Felder, der südliche Berliner Mauerweg und das Land Brandenburg: ein Paradies für Hundebesitzer, Jogger, Radfahrer, wobei sich die Interessen der einzelnen Gruppen manchmal ein wenig überschnitten …

Onkel Edgar hatte wie einige seiner Nachbarn vor Jahrzehnten begonnen, seine Laube Stück für Stück zu einem festen Wohnsitz auszubauen. Ganz fertig war er nie geworden, zumal seine handwerkliche Begabung gutes Hobbymittelmaß kaum überschritt, und das Haus wirkte weder besonders gepflegt noch schön, erst recht nicht nach dem Tod seiner Frau Martha vor gut zehn Jahren. Benutztes Geschirr musste schon mal zwei, drei Tage im Spülbecken ausharren, und mit dem Putzen nahm er es auch nicht so genau … Kurz und gut: Sein Domizil war nichts für empfindliche Nasen, und bei einer hausfraulichen Begutachtung hätte es außer in der Sparte kauziger Charme kaum Chancen. Es betörte eher durch seine raue Individualität – wie er selbst auch.

Edgar war Tierpfleger im Berliner Zoo gewesen, spezialisiert auf Katzen in jeder Größe und Stimmungslage. Manchmal kam er Tessy selbst wie ein alter zerzauster und ziemlich schlauer Kater vor, aber das sagte sie ihm nicht. Seit er die fünfundsiebzig überschritten hatte, reagierte er hin und wieder etwas empfindlich auf das Wort „alt“.

Vor einigen Wochen, als ihr finanzieller Engpass nach dem Aus beim Tageblatt immer offensichtlicher geworden war, hatte Edgar ihr angeboten, ihre teure Wohnung in Kreuzberg aufzugeben und erstmal in sein Haus zu ziehen. Sie könnte für ein bisschen Ordnung und Sauberkeit sorgen und sich um seine Katzen Pepper und Chili kümmern, während er endlich sein Versprechen einlöste und für einige Monate einen alten Freund besuchte, der sich in Bayern beim Bund Naturschutz in einem Projekt für Wildkatzen engagierte. Wenn Edgar zurückkehrte, würde man weitersehen. Nach seinen letzten Anrufen zu schließen, war er inzwischen so eifrig bei der Sache, dass man ihn gar nicht mehr weglassen wollte. Tessy freute sich für ihn – und war ihm zutiefst dankbar. Nicht zum ersten Mal in ihrem Leben.

Sie schloss die Haustür auf, und die Kater schossen um die Ecke. Pepper war ein dunkelgrauer kräftiger Bursche von mindestens acht, wahrscheinlich sogar zehn Jahren, der sich bei zahllosen Revierkämpfen schon so manche Schramme zugezogen hatte. Wie die jeweiligen Gegner anschließend ausgesehen hatten, darüber schwieg er sich mit unergründlichem Blick aus. Chili war das genaue Gegenteil: ein drahtiger, roter Irrwisch mit mauliger Stimme, kaum drei Jahre alt, den man sich gut als anfeuernden Aufrührer vorstellen konnte. Beide Tiere waren Edgar zugelaufen.

Tessy füllte die Fressnäpfe; Sekunden später ließen es sich die beiden mit lautem Schmatzen gut gehen, und sie kümmerte sich um ihr Frühstück.

Nach zwei Körnerbrötchen, einem Croissant und einer Kanne Kaffee fühlte sie sich genügend gestärkt, um mit Dirk Hanter zu telefonieren und nach den ersten Erkenntnissen zu fragen, worum Kerstin sie ausdrücklich gebeten hatte. Tessy hoffte, dass man mittlerweile genauer nachvollziehen konnte, was eigentlich passiert war.

Sie starrte einen Moment ins Leere, nestelte schließlich ihr Handy aus der Brusttasche und griff aus dem wackligen Regal neben der Anrichte nach Stift und Block. Sie war auch im Job immer ein Fan der handschriftlichen Notizen gewesen und hatte Diktiergeräte selten benutzt. Was sie einmal notiert hatte, war zumindest flüchtig durchdacht und geordnet. Dass sie aufgrund ihrer langjährigen Berufserfahrung einen guten Draht zu Behörden hatte und wusste, wo man ansetzen musste, um Informationen zu erhalten, machte die Sache nicht angenehmer, aber leichter. Rasch schrieb sie unter dem aktuellen Datum einige Stichpunkte auf, dann wählte sie Dirks Mobilnummer. Hanter meldete sich sofort.

„Wisst ihr schon genauer, was passiert sein könnte?“ fiel Tessy gleich mit der Tür ins Haus. Sie wusste, dass auf seinem Display ihr Name aufgeblinkt war.

„Hm“, gab der Kripobeamte mehr als einsilbig zurück.

„Frühstückst du gerade?“

„Nö“, erwiderte Dirk.

„Und?“

Er seufzte. „Hör zu, Tessy, du weißt, dass ich immer so viele Infos wie möglich an dich herausgebe, aber in diesem Fall …“

„Was ist mit diesem Fall?“

„Ach komm, dir müsste doch klar sein, dass ich dir im Grunde genommen gar nichts sagen darf. Du bist ja nicht mal als Journalistin unterwegs …“

Tessy biss sich auf die Unterlippe. „Nun mach mal halblang“, frotzelte sie. „Du hast gesehen, in welcher Verfassung Kerstin ist, und du weißt, dass wir eng befreundet sind und sie mich gebeten hat, alles Mögliche zu erledigen. Dazu gehört auch der Kontakt zur Polizei. Im Übrigen: Wer hat dafür gesorgt, dass du umgehend eine detaillierte Personenliste bekommst, mit der du sofort die Ermittlungen aufnehmen konntest? Du dürftest einige Stunden eingespart haben. Und noch was: Im Fall der Fälle habe ich niemals etwas von dir erfahren. Warum rufe ich wohl sonst auf deinem Handy an?“

„Hm.“ Das klang immer noch zögernd.

„Nun red schon. Hast auch ein Bier bei mir gut.“

„Wenn das kein Angebot ist.“

„Finde ich auch.“ Es muss ja nicht beim Bier bleiben, fügte sie im Stillen hinzu.

„Na schön, weil du es bist. Außerdem kann ich dich ja auch als Zeugin befragen, insofern … Weißt du eigentlich was davon, dass Patrick Riemer häufiger Schlaftabletten genommen hat?“

Tessy, die gerade den kläglichen Kaffeerest aus der Kanne in ihre Tasse tröpfeln ließ, hielt mitten in der Bewegung inne. „Wie bitte?“

„Ja, du hast richtig gehört: Schlaftabletten.“

„Patrick hat so’n Zeug nicht genommen.“ Tessy stellte die Kanne mit Nachdruck ab.

„Legst du dafür deine Hand ins Feuer?“

Tessy gab ein schnaufendes Geräusch von sich. „Ich lege für niemanden die Hand ins Feuer!“

„Aha.“

„Kein Aha. So gut kenne ich keinen Menschen“, betonte Tessy. Nicht mal mich selbst, fuhr es ihr durch den Kopf. „Lass es mich so ausdrücken: Patrick war der Ex und zugleich der zukünftige Mann meiner Freundin, den ich sicherlich ganz gut kannte, aber das war es dann auch schon“, fuhr sie fort. „Allerdings hätte Kerstin ganz sicher gewusst, wenn er regelmäßig Schlaftabletten konsumierte – und mich ins Vertrauen gezogen. Patrick hatte mal vor einiger Zeit massive Alkoholprobleme und …“

„Ach?“

„Ja – er ist trockener Alki und nimmt kaum mal eine Kopfschmerztablette, weil er Schiss vor dem Suchtpotential hat.“

„Interessant.“

„Finde ich auch. Warum fragst du eigentlich so genau nach?“

„Es spricht einiges dafür, dass Riemer jede Menge Tabletten intus hatte.“

Tessy überlegte. „Was willst du damit sagen?“

„Noch nichts Genaues, aber immerhin soviel, dass ich deine Freundin fragen werde, ob ihr Mann als suizidgefährdet eingestuft werden könnte.“

Tessy spürte, dass ihr das Frühstück plötzlich wie ein Zementklotz im Magen lag.

„Bist du noch dran?“ fragte Hanter.

„Ja, ja … Es ist nur – das haut mich um. Außerdem … nein: Das kann nicht sein.“

„Warum nicht?“

„Die beiden sind nach einer langen Trennungsphase wieder ein Paar geworden und planten, ihrer Ehe und der Familie eine neue Chance zu geben. Patrick, der in seiner alten Firma häufig Stress hatte, war es gelungen, einen neuen Job zu finden. Er war bester Dinge. Warum sollte er sich gerade jetzt …?“

„Wir haben Unterlagen von seinem alten Arbeitgeber bei ihm zu Hause gefunden“, fuhr Dirk fort. „Unternehmensberatung BORMAN & Partner, wie du ja wahrscheinlich weißt. Wie es nach einem ersten Gespräch mit der Geschäftsführerin des Unternehmens aussieht, hat er die mitgehen lassen.“

Tessy hielt inne. „Das kann ich nicht glauben.“

„Sobald deine Freundin sich einigermaßen gefasst hat, müssen wir eingehend mit ihr reden“, bemerkte Hanter. „Am besten heute noch. Im Moment sieht es jedenfalls ganz danach aus, als hätte ihr Mann eine Menge Mist gebaut und deshalb kurzen Prozess gemacht. Vielleicht wollte er sich auch nur betäuben und ist nachts auf den Balkon gegangen, wo es dann zu einem unglücklichen Sturz kam … Die Untersuchungen und Analysen der Kriminaltechnik werden uns bald genauer Aufschluss geben. Wusstest du übrigens, dass Riemer eine üppige Lebensversicherung abgeschlossen hatte?“

„Na und? Das machen viele Familienväter, wenn sie es sich leisten können.“

„Ich meine ja nur.“

„Du meinst selten einfach nur so etwas“, widersprach Tessy.

„Nein? Nun gut … Für den Augenblick soll das erst mal reichen. Bis dann.“

„Okay. Tschüss.“

Sie unterbrach die Verbindung und sah einen Augenblick ins Leere. Einige Sonnenstrahlen stahlen sich durchs Küchenfenster. Staubflocken tanzten in ihnen. Draußen schimpfte ein Eichelhäher. Wahrscheinlich hat er die Katzen bemerkt, dachte Tessy. Sie hielt den Gedanken – zumindest in diesem Moment – für völlig absurd.

Später versuchte sie, etwas Schlaf nachzuholen. Erholsam war der nicht. Immer wieder schreckte sie hoch und meinte, Kerstins verzweifelte Stimme zu hören. Schließlich stand sie auf, ging unter die Dusche und fuhr dann ihren Laptop hoch, um ihre Mails durchzusehen. Sie löschte Spam und überflog die Grüße und Mitleidsbekundungen von ehemaligen Kollegen und Kolleginnen – ernst gemeinte und scheinheilige hielten sich die Waage. Eine Nachricht war von ihrer Mutter, die an das im Frühsommer bevorstehende zehnjährige Jubiläum ihres Fitness- und Ernährungsstudios erinnerte und zu einem Fest in die Schlossstraße nach Steglitz einlud. Im Anhang hatte sie eine viele megabyteschwere Fotoserie mitgeschickt, darunter auch ihre so heiß geliebten Vorher-Nachher-Aufnahmen von einst übergewichtigen und nun sportlich schlank gestählten und selbstredend überglücklichen Frauen, die sich neben dem Kalorienzählen, Schlank-Kochen und der Bewegungshysterie offensichtlich zusätzlich einem Wettbewerb im Dauergrinsen verschrieben hatten.

Tessy stöhnte auf. Entweder sie lag mit vierzig Fieber oder zwei gebrochenen Beinen im Bett – oder sie hatte bei diesem Termin anzutreten. Ihre Mutter war eine perfekte Mischung aus Jane Fonda und Hillary Clinton und konnte faule Ausreden drei Meilen gegen den Wind riechen. Das einzig Gute an ihrem Studio war, dass Tessy dort Kerstin bei der Fünfjahresfeier kennen gelernt hatte. Ihre Freundin Kerstin ging nach wie vor eifrig in die völlig beknackten Hopse-Stunden, wie Tessy sie nannte, um etwas für ihre Fitness und gegen eine gewisse Fülligkeit zu tun. Tessys und Kerstins im Übrigen stets platonischen Freundschaft hatte das nie im Weg gestanden.

Eine Mail von Gertrud öffnete Tessy nach kurzem Zögern. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, um herumzuturteln; andererseits konnte sie etwas Aufmunterung und Ablenkung durchaus gebrauchen.

„Ich war in einem exklusiven Shop – Du erinnerst Dich hoffentlich, dass wir heute Nacht darüber sprachen“, las sie die ersten Worte von Gertruds Mitteilung. „Das Spielzeug, das ich besorgt habe, wird Dir gefallen.“ Tessy zog eine Augenbraue hoch und fuhr sich mit der Zunge über die Unterlippe. „Apropos besorgen – mir wird schwindelig vor Aufregung, wenn ich nur daran denke, wie Du auf dem Küchentisch vor mir liegst, mit gespreizten Beinen, zwischen denen ich stehe. Ich knete Deine Nippel und versinke in Deinen Augen, Du windest Dich unter mir. Der Schweiß läuft Dir zwischen den Brüsten entlang. Du duftest wie die Königin der Sünde, und deine Augen werden groß, wenn ich mir den Dildo umschnalle. Er ist feuerrot, lang und dick, und ich schiebe ihn Dir rein. Du bist feucht wie Moos nach einem langen Sommerregen, und ich bewege ihn: erst sanft und behutsam vortastend, dann stoßend und pressend und schließlich immer heftiger, bis Dein tiefkehliges Stöhnen in lautes Schreien übergeht und Deine Fingernägel sich in meinen Hintern krallen. „Hör nicht auf“, stammelst Du. „Fick mich weiter“ Das tue ich. Ich stoße so heftig ich kann, bis du das erste Mal gekommen bist. Du beißt mich empört, als ich den Dildo herausziehe: Schwanz war dir schon immer wichtig. Viel Schwanz. Aber es geht auch anders. Ich knie mich zwischen deine Beine. Deine Knospe glänzt. Ich lasse sie in meinen Mund eintauchen, wo sie groß wird wie eine Himbeere und an meiner Zungenspitze vibriert … Lust auf mehr?“

Und ob. Aber nicht jetzt. Tessy ließ die Bilder auf sich wirken. Ihr war heiß, verdammt heiß. Sie wollte gerade eine ähnlich wollüstige Antwort schreiben, als ihr Handy den Eingang einer SMS signalisierte: Kerstin brauchte Tessys Unterstützung, die Kripo stand vor ihrer Tür.

Fortsetzung morgen

Erschienen am 03.12.2016 | zurück zur Startseite


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Eine Folge aus der Reihe "Tessy und die Zärtlichkeit des Kommissars". Die weiteren Thriller der Reihe:

  1. Die Liebesnacht vor dem Tode
  2. Der Geruch der Angst
  3. Die junge Kollegin des Kommissars

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