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erotische Geschichten

Larissa und der geheimnisvolle Club

Eine Folge aus dem Thriller "Tessy und das Geheimnis des Sexclubs"

Larissa Tiebrecht hatte Tessy ein Treffen auf dem Tempelhofer Feld vorgeschlagen, wo sie nach ihrem Seminar eine Runde mit ihren Inlinern drehen wollte. Tessy fand die Idee gut. Sie war gerne auf dem ehemaligen Flughafengelände und ließ sich von dem quirligen Sommer-Party-Feeling anstecken. Die Vorstellung, dass noch vor kurzem reger Flugbetrieb in Tempelhof geherrscht hatte, schien bereits nach wenigen Monaten, in denen die Berliner es zu ihrem Terrain gemacht hatten, kaum vorstellbar.

Heerscharen von Menschen aller Altersgruppen und Nationalitäten bevölkerten das weite Gelände: Jogger, Radfahrer, Skater, Picknicker. Am Grillplatz stiegen bereits am Nachmittag Rauchwolken auf, Beachvolleyballer schrien sich Kommandos zu, ein nach dem schweren nächtlichen Gewitter stahlblauer Himmel spannte sich über dem bunten Treiben. Das wunderbare Gefühl von niemals endenden Ferien bestimmte die Atmosphäre.

Larissa wartete an einer Infotafel am Kreuzberger Eingang. Sie war höchstens einsfünfzig groß, rothaarig und zierlich wie ein Kind. Sommersprossen tummelten sich auf ihrer Nase. Sie saß auf ihrer Sporttasche und stand auf, als Tessy näher trat. Die Detektivin war auch nicht gerade groß gewachsen, aber Larissa ging ihr gerade mal bis zum Kinn.

„Setzen wir uns hier einfach auf die Wiese?“, fragte Rheas Freundin. „Ich hab auch eine Decke, eine Thermoskanne Kaffee und Kuchen dabei.“

„Wie fürsorglich und aufmerksam!“

„Na ja.“ Larissa lächelte verschmitzt. „Um ehrlich zu sein, gehe ich immer so ausgerüstet aufs Feld. Ich drehe meine Runden und lasse es mir bei schönem Wetter hier draußen gut gehen. Aber natürlich sind Sie eingeladen.“

Tessy lachte. Die Studentin war ihr auf Anhieb sympathisch. „Ich verstehe. Aber einen Kaffee nehme ich trotzdem gerne.“

Wenige Augenblicke später saßen sie sich auf einer etwas abgelegenen Wiese auf einer Decke im Schneidersitz gegenüber, Larissa schenkte Kaffee ein, und Tessy erörterte kurz, warum die Polizei nicht weiter ermittelte, bevor sie den Inhalt ihrer Unterredungen mit Rheas Eltern und Paul grob skizzierte. Larissa hörte aufmerksam zu.

„Ich bin gespannt, ob Sie eine Idee haben, was Rheas unerklärlicher Aufbruch bedeuten könnte“, schloss Tessy ihre Einleitung ab.

„Die habe ich nicht – leider. Das habe ich der Polizei auch schon gesagt“, erklärte Larissa. „Die Sache mit der Kurzmitteilung erscheint mir genauso suspekt wie Rheas Eltern und Paul.“ Sie brach ab und trank von ihrem Kaffee, während sie beiläufig ihre Blicke schweifen ließ.

Tessy stutzte. Das hätte sie mir auch am Telefon sagen können, dachte sie, dazu wäre ein Treffen nicht nötig gewesen. Aber Larissa hatte einem persönlichen Gespräch umgehend zugestimmt.

„Fällt Ihnen nicht irgendein Hinweis ein, der uns weiterhelfen könnte?“, fragte die Detektivin. „Das kann auch eine verschwommene Ahnung sein, über die Sie nicht mit der Polizei sprechen wollten. Oder ein ungutes Gefühl, das Sie beschäftigt. Immerhin sind Sie Rheas beste Freundin, Sie studieren gemeinsam, haben Schlüssel zu der Wohnung der anderen … Sie kennen Rhea garantiert sehr gut, vielleicht besser als Paul und ihre Eltern.“

Larissa warf ihr einen langen, erstaunten Blick zu, den Tessy mit einem Lächeln quittierte. Die Studentin erwiderte das Lächeln zaghaft, bevor sie wieder ernst wurde.

„Na ja … also, ich bin ziemlich beunruhigt, um ehrlich zu sein“, gab sie zu. „Wir schreiben nächste Woche zum Ende des Semesters zwei wichtige Klausuren, und es passt einfach nicht zu Rhea, sich ausgerechnet jetzt zurückzuziehen. Und der Streit mit Paul ist ein verdammt alter Hut.“

„Wirklich?“

„Unbedingt … allerdings …“ Sie blickte auf ihre Hände.

„Ja?“

„Ich hab den Eindruck, dass Paul und auch Rheas Eltern sich etwas vormachen. Friede, Freude, Eierkuchen ist bei den beiden schon lange nicht mehr angesagt.“

Also doch, dachte Tessy. „Ach? Könnten Sie konkreter werden?“

„Rhea liebt ihre Unabhängigkeit. Damit kann Paul nicht gut umgehen. Er hält sich für unwiderstehlich.“

Ein bisschen ist er das auch, fuhr es Tessy durch den Kopf. Sie setzte ein unschuldiges Gesicht auf. „Will sie sich von ihm trennen?“

Larissa wiegte den Kopf von einer Seite auf die andere. „Das kann ich nicht sagen, soweit würde ich nicht gehen wollen. Aber auf jeden Fall fühlt sie sich immer wieder von ihm bedrängt.“

„Wo genau ist denn Ihrer Ansicht nach der Haken bei den beiden?“

Larissa runzelte die Stirn, und Tessy hob entschuldigend die Hände.

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich auch indiskrete Fragen stellen muss, wenn ich eine Spur aufnehmen soll“, beteuerte sie. „Vielleicht hat dieser ganze Beziehungskram überhaupt nichts mit Rheas Verschwinden zu tun, und er rückt ganz zu Unrecht in den Vordergrund, vielleicht ergeben sich aber doch Ansatzpunkte, die mich weiterbringen und zu Fragen veranlassen, die bisher nicht gestellt wurden.“

„Ja, ich verstehe.“ Larissa atmete tief durch. Ihre Sommersprossen wirkten plötzlich deutlich blasser. „Wissen Sie, ich habe Rhea mein Ehrenwort gegeben …“

Jetzt wird’s interessant, dachte Tessy.

„… und ich würde mich auch weiterhin daran gebunden fühlen, wenn ich nicht mittlerweile in so großer Sorge um sie wäre“, fuhr Larissa mit gesenkter Stimme fort. Sie sah sich kurz um, als befürchte sie, belauscht zu werden. „Ich weiß nicht, ob es einen Zusammenhang gibt – wahrscheinlich nicht, aber man kann ja nie wissen … Also, Rhea hat einen Job, von dem niemand außer mir und einer Kommilitonin etwas weiß und auch keiner etwas wissen darf – schon gar nicht Paul!“

Tessy stellte ihren geleerten Kaffeebecher neben der Decke ab, ohne Larissa aus den Augen zu lassen. „Ich bin ganz Ohr und kann sehr verschwiegen sein.“

„Das hoffe ich. Notfalls streite ich nämlich ab, je mit Ihnen gesprochen zu haben.“ Die junge Frau bemühte sich um einen strengen Gesichtsausdruck, der ihr aber nicht überzeugend gelang. „Rhea jobbt nicht hin und wieder an der Uni, wie alle denken, sondern in einem Erotikclub“, erklärte sie. „Die Stelle hat ihr Franka vermittelt, eine Studienkollegin, die dort selbst beschäftigt ist – und auch diese Info haben Sie nicht von mir!“

„Oh.“

Larissa hob die Hände. „Warten Sie – das klingt wesentlich spektakulärer, als es ist. Rhea steht hinterm Tresen und hilft in der Küche“, betonte sie eilig. „Sie macht den Job gerne und verdient gutes Geld, aber ich muss wohl kaum hinzufügen, dass Paul am Rad drehen würde, wenn er davon wüsste, und ihre Eltern ebenso. Außerdem würden sie ihr im Gegensatz zu mir kaum glauben, was den Charakter ihrer Arbeit angeht.“

„Ja, das kann ich mir gut vorstellen“, entgegnete Tessy und unterdrückte ein Schmunzeln. ‚Charakter ihrer Arbeit’ war eine hübsche Formulierung. Unter diesem Gesichtspunkt wurde auch verständlicher, warum Rhea nicht mit Paul zusammenziehen wollte.

Sie rief sich das Foto von der jungen Frau in Erinnerung. Als Erotikclubbesitzerin hielte ich es für pure Verschwendung, Rhea in der Küche arbeiten zu lassen, überlegte sie.

„Nennen Sie mir Namen und Adresse des Clubs?“

Larissa nickte langsam. „Ja, aber wie gesagt: Den Tipp haben Sie nicht von mir!“


Da Rheas Bruder Jakob erst am Abend Zeit für eine Unterredung hatte, kehrte Tessy am späten Nachmittag nach Hause zurück. Während der Heimfahrt beschäftigte sie die dringliche Frage, ob der Hinweis auf den Erotikclub bereits zu diesem Zeitpunkt eine so wichtige Information war, dass sie Dirk Hanter einbeziehen musste. Eigentlich schon, aber war es andererseits nicht sinnvoller, zunächst einmal alleine vor Ort Erotikluft zu schnuppern?

Der Gedanke gefiel ihr auf Anhieb wesentlich besser. Herrlich schlüpfrige Bilder kamen ihr in den Kopf. Doch von ihren persönlichen Vorlieben einmal abgesehen, hatte Rheas Job unter Umständen gar nichts mit ihrem Verschwinden zu tun, und Tessy würde gänzlich umsonst die Pferde scheu machen, wenn sie den Kommissar losschickte. Außerdem waren die Beschäftigten in der Bar- und Erotikszene nicht gerade auskunftsfreudig, wenn Beamte auftauchten.

Als sie in Marienfelde eintraf, hatte sie entschieden, zunächst den Alleingang zu wagen, und zwar noch am gleichen Abend – nach ihrem Date mit Jakob.

Erschienen am 05.12.2011 | zurück zur Startseite


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Eine Folge aus der Reihe "Tessy und das Geheimnis des Sexclubs". Die weiteren Thriller der Reihe:

  1. Das gefesselte Mädchen
  2. Das verschwundene Mädchen
  3. Dunkle Schönheit mit weiblichen Rundungen
  4. Die letzte SMS der schönen Rhea
  5. Perverse Spiele hinter der Tanzfläche

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