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Die letzte SMS der schönen Rhea

Eine Folge aus dem Thriller "Tessy und das Geheimnis des Sexclubs"

Rheas Freund stand auf, als Tessy das kleine Bistro betrat, in dem es betörend intensiv nach frischem Baguette duftete. Sie zweifelte nicht einen Augenblick daran, dass es sich bei dem athletisch gebauten jungen Mann, der ihr mit forschenden Blicken entgegensah, um Paul Mihl handelte, der sich am Telefon mit wenigen Worten beschrieben hatte: „Groß, kurzes Haar, Jeans, blaues Hemd, hinterer Fensterplatz.“

Die Beschreibung stimmte auf den Punkt, und doch wurden die Hinweise dem Mann nicht annähernd gerecht. Tessy war so verblüfft, dass sie zwei Sekunden benötigte, um seine ausgestreckte Hand zu ergreifen und die freundliche Begrüßung zu erwidern. Rheas Freund war ein bildschöner Mann und noch dazu absolut ihr Typ – braungebrannt, markante Gesichtszüge, grüne Augen, in denen Klugheit und Witz um die Wette funkelten, sehnige Hände und ein Mund, dessen Lippen zum Träumen einluden. Keine jugendfreien Phantasien, oh nein, ganz und gar nicht. Tessy schluckte. Träume, die sie sich in diesem Fall sofort aus dem Kopf zu schlagen hatte. Beruf und Sex, das ging gar nicht. Wobei Kopf nicht ganz korrekt war … Ihr Herzschlag hatte sich beschleunigt, kaum dass sie ihn angesehen hatte.

„Danke, dass Sie sich sofort Zeit genommen haben, Herr Mihl“, sagte sie betont sachlich und räusperte sich, während sie einander gegenüber Platz nahmen.

„Das ist doch selbstverständlich.“ Er hob den Blick, als die Kellnerin herantrat und schenkte ihr ein breites Lächeln, bevor er Tessy wieder ansah. „Wollen wir erst mal eine Kleinigkeit bestellen?“

„Gute Idee.“

Das war schlicht eine Lüge. Tessys Appetit war normalerweise mehr als gesund – nach der unmaßgeblichen Meinung ihrer Mutter sogar erschreckend groß –, aber im Moment war ihr gar nicht nach Essen zumute. Dennoch bestellte sie ein Omelett mit Salat und Orangensaft und nahm sich vor, so professionell und distanziert wie möglich vorzugehen. Ich stell mir einfach vor, er hat Pickel, schiebt einen Bierbauch vor sich her, riecht aus dem Mund, und sein bestes Stück hat die Größe einer verkümmerten Rosine, überlegte sie.

Paul schloss sich ihrer Bestellung an, wählte jedoch zusätzlich eine Portion Backkartoffeln.

„Wenn ich es richtig verstanden habe, können Sie sich keinen überzeugenden Reim darauf machen, dass Ihre Freundin sich auf diese Weise eine Auszeit genommen hat“, hob Tessy an, als die Getränke serviert worden waren und genehmigte sich einen Schluck Saft.

„Genau. Das ist nicht ihr Stil“, entgegnete Paul sofort mit ernster Miene. „Ich kann mir ihr Verhalten einfach nicht erklären.“

„Sie hatten Streit.“

Er nickte. „Ja. Ein paar Tage vorher – das übliche Thema …“ Er brach ab und sah Tessy nachdenklich an. „Ich möchte mit ihr zusammenleben, sie will noch warten.“ Er seufzte. „Warum warten, wenn doch alles zwischen uns klar ist?“

Da könnte man glatt schwach werden, dachte Tessy. Diesen Typen jeden Abend im Bett zu haben … Sie wischte das Bild beiseite, das ungefragt und bemerkenswert detailgetreu vor ihrem inneren Auge aufgestiegen war – von wegen Rosine!

„Warum will Rhea noch warten?“, fragte sie.

Er zuckte mit den Achseln. „Sie will erst das Studium beenden, das noch ungefähr ein Jahr dauert. Das Argument überzeugt mich aber nicht …“

Das Essen wurde serviert. Einen Moment aßen sie schweigend.

„Wie dem auch sei“, hob er kurz darauf wieder an. „Das Thema hatten wir schon häufig – deshalb einfach abzuhauen, lediglich eine SMS zu schicken, noch dazu an ihre Eltern und lediglich in Kopie an mich, und für niemanden erreichbar zu sein, ist völlig unpassend. Warum plötzlich diese Theatralik?“ Paul schüttelte den Kopf. „Das kapier ich einfach nicht.“

Er hat Recht, dachte Tessy. Darüber hinaus stellt sich auch die Frage, warum sie sich nicht zumindest bei ihren Eltern meldet, die mit diesem Beziehungskonflikt schließlich gar nichts zu tun haben. Andererseits könnte sie es darauf angelegt haben, Paul vor den Kopf zu stoßen … Frauen benutzten manchmal eigentümliche Waffen, und die Logik spielte dabei eine untergeordnete Rolle.

‚Ich brauche eine Auszeit’, brachte die Detektivin sich den Handy-Text noch einmal wörtlich in Erinnerung. ‚Muss über Paul und mich nachdenken und über das, was wichtig in meinem Leben ist. Lasst mir bitte Zeit. Rhea’.

„Haben Sie denn eine Vermutung, was hinter dieser ganzen Geschichte stecken könnte?“, fragte Tessy und legte ihre Gabel an den Tellerrand.

Sein Blick wurde plötzlich dunkel. Er schluckte. „Ich habe Angst, dass ihr etwas passiert sein könnte … Vielleicht hat sie die SMS gar nicht selbst geschrieben.“

Tessy nahm ihre Gabel wieder auf. „Um es auf den Punkt zu bringen: Sie denken an eine Entführung?“

„Ja. So was Schreckliches passiert ja leider immer wieder.“

„Das hieße aber, dass der Entführer, der Rheas Spur mit der SMS verwischen will, ganz gut über ihr Leben Bescheid wissen müsste.“

„Ist mir klar – er könnte sie zum Reden gezwungen haben“, wandte Paul mit gepresster Stimme ein.

Der Einwand war nicht von der Hand zu weisen. Tessy setzte eine bewusst gelassene Miene auf und aß langsam weiter.

„Entführer fallen nicht einfach vom Himmel, schon gar nicht, wenn es sich um eine geplante Aktion handelt“, bemerkte sie. „Bleibt die Frage – warum? Eine Geldforderung gibt es nicht.“

Paul nickte nachdenklich. „Es muss um etwas anderes gehen.“

„Wissen Sie von irgendwelchen gravierenden Änderungen in Rheas Leben? Neue Freunde? Geldprobleme? Ärger an der Uni? Hat sie in letzter Zeit mal eine Bemerkung gemacht, die Sie jetzt stutzen lässt, oder sich eigentümlich verhalten?“, fuhr Tessy fort.

Paul hob kopfschüttelnd die Hände. „Glauben Sie mir – es war alles wie immer, bis ich am vorletzten Samstag die SMS erhielt. Wir haben uns regelmäßig gesehen, und bis auf den genannten Konflikt gab es nichts, was unser Zusammensein trübte – in keiner Beziehung, wenn Sie verstehen, was ich meine.“ Er hob eine Braue, und Tessy quälte sich ein fröhlich-wissendes Lächeln ab, während ein nackter und gut ausgestatteter Paul Mihl durch ihren Kopf geisterte und in ihrem Unterleib ein heftig aufflackerndes Feuer entfachte.

„Mein Job läuft gut, ihr Studium sogar phantastisch“, fuhr er fort. „Wenn sie tatsächlich Probleme hat, von denen ich nichts weiß und die mit ihrem Verschwinden zu tun haben, muss sie eine gute Schauspielerin sein. Eine sehr gute sogar, denn so schnell kann man mir nichts vormachen.“

Viele Frauen werden mit dieser Begabung geboren, und dann bietet ihnen das Leben viele Möglichkeiten, ihr Talent auszubauen, überlegte Tessy. Eine gute Viertelstunde später verließen sie gemeinsam das Lokal. Paul versprach, sich zu melden, falls ihm noch etwas einfiel, was Tessy bei ihren Nachforschungen helfen könnte. Er gab ihr die Hand, drückte sie mit sanftem, aber deutlich spürbarem Druck, und Tessy wandte sich ab, bevor sie sich in seinem Blick verfing.

Erschienen am 04.12.2011 | zurück zur Startseite


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Eine Folge aus der Reihe "Tessy und das Geheimnis des Sexclubs". Die weiteren Thriller der Reihe:

  1. Das gefesselte Mädchen
  2. Das verschwundene Mädchen
  3. Dunkle Schönheit mit weiblichen Rundungen
  4. Larissa und der geheimnisvolle Club
  5. Perverse Spiele hinter der Tanzfläche

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