Teil 04 - Roswitha: “Mein Nachhilfe-Lehrer hatte nicht nur Mathe drauf”
Ich erinnere mich noch genau: Meine Mutter wäre fast hinten übergekippt, als Justus den ersten Tag in der Tür stand. In ausgeblichenen Jeans und schlabberigem T-Shirt. Ein schlaksiger Kerl von einsachtzig, Anfang zwanzig. Schulterlange Haare, Rauschebart. "Tag", sagte er. "Ich komme von der Job-Vermittlung der Uni. Sie suchen für Ihre Tochter einen Nachhilfe-Lehrer in Mathe? Hier bin ich." Normalerweise ließ meine Mutter Typen wie Justus gar nicht in die Wohnung. Aber was sollte sie machen? Ich stand in Mathematik auf einer klaren Fünf.
Nach der Schule jobbte Roswitha als Verkäuferin, fand schließlich einen Ausbildungsplatz zur Einzelhandelskauffrau. Heute betreibt sie eine eigene Boutique für hochwertige Dessous.
Dazu noch meine Schwächen in Physik und Chemie - Versetzung höchst gefährdet! Alarmstufe eins. Dieser Hippie - wie meine alte Dame Justus fortan nannte - war ihre und meine letzte Rettung vor einer Ehrenrunde.
Ehrlich gesagt, hatte ich mir einen Nachhilfe-Lehrer auch etwas anders vorgestellt. Mit Nickelbrille, Aktenmappe unterm Arm, Fahrradklammern an den Hosenbeinen oder so ähnlich. Schon vom Äußeren her war Justus echt eine positive Überraschung.
Als er mir dann noch sagte, nicht ich, sondern meine Lehrer seien schuld an meinen schlechten Zensuren - Justus: “Die müssen dir die Unterrichtsinhalte doch so vermitteln, dass du sie verstehst” - da hatte mich dieser junge Typ total auf seiner Seite. Außerdem: Ich war damals 16, schwamm voll auf der Pubertätsprotestwelle. Alles, was meinen Eltern nicht ganz geheuer war, fand ich erst einmal toll. Auch Justus. Ich sagte: “Der soll mir Nachhilfe geben oder keiner.” Und so geschah es dann auch.
Knapp einen Monat später hatten mein Nachhilfelehrer und ich unser erstes gemeinsames Erfolgserlebnis. Ich brachte in einer Mathe-Arbeit eine Vier nach Hause! Die erste seit ungefähr einem Jahr. Im Unterricht kapierte ich auch endlich, was gemeint war, wenn der Lehrer seine Formeln an die Tafel schrfieb. Ich wurde zunehmend selbstbewusster. Und fröhlicher. Die zwei Nachhilfestunden in der Woche empfand ich nicht mehr als notwendiges Übel.
Sie machten mir inzwischen Spaß. Justus und ich schweiften oft vom Thema ab, redeten über Musik, aktuelle Filme, Bücher. Ich freute mich schon regelrecht auf unsere Treffen. Und schließlich träumte ich sogar von ihm - von meinem Justus.
Er saß am Tisch. Wie immer. Ich stand vor ihm und beobachtete genau seinen Gesichtsausdruck. Langsam öffnete ich einen Knopf meiner Bluse nach dem anderen. Meine Mutter war an diesem Nachmittag außer Haus, wollte erst spät zurückkommen.
Das war die Gelegenheit. Für einen Überraschungsangriff auf Justus’ Männlichkeit. Ich hatte es mir genau überlegt und keinen BH angezogen.
“Gefallen dir meine Brüste?” fragte ich.
Justus schwieg - verlegen und reichlich perplex. Aber ich wusste auch so: Meine Figur stellte meine Mathematik-Fähigkeiten bei weitem in den Schatten.
Ich ging zu ihm, schlang meine Arme um seinen Kopf und drückte ihn fest gegen meinen nackten Busen. Justus schien sich schnell von seinem ersten Schock zu erholen. Er umfasste mit den Händen meine Taille. Und sein Mund startete eine Entdeckungsreise über meinen Oberkörper. Er küsste meine Brüste, die Warzen, meinen Nacken, die Ohrläppchen. Ein wohliger Schauer nach dem anderen rieselte mir den Rücken runter.
Wir landeten auf der Couch. Eng umschlungen. Unter irren Verrenkungen schafften wir es, unsere Klamotten auszuziehen. Ohne uns loszulassen. Völlig nackt rieben sich unsere Körper aneinander. Wir küssten uns wild und streichelten uns zärtlich. Ich fühlte Justus’ pralles Glied und wollte es in mir spüren. “Es ist okay”, sagte ich atemlos.
“Niemand wird uns stören. Und es kann nichts passieren.” Das ließ sich Justus nicht zweimal sagen. Aber obwohl er so scharf auf mich war wie ich auf ihn, nahm er mich doch ganz vorsichtig. Ein toller Lover. Wir liebten uns den ganzen Nachmittag. Bis wir schließlich erschöpft, aber happy in den Seilen hingen. Endlich war ich eine richtige Frau!
Das war mein Traum, der mich als 16-Jährige nächtelang in Atem hielt. Genauso passierte es eines Nachmittags auch tatsächlich. Nur mit dem Unterschied, dass es beim ersten Mal beschissen weh tat und ich eine verdammte Mühe hatte, meine Couch hinterher wieder sauber zu kriegen. Auf meine schulischen Leistungen hatte meine neue Erfahrung jedoch einen schlechten Einfluss. Denn von da an vergeigte ich ab und zu mit Absicht mal eine Mathe-Arbeit. Um mir Justus’ Nachhilfe langfristig zu sichern.
Beim Verfassen des Textes half Sybille Demirel.
Übermorgen nächster Teil
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