Sechs Übungen für die Sinneslust
Stefanie (22) war irgendwie anders als sonst. Und Anja (21) musste zugeben, dass sich ihre beste Freundin durchaus positiv verändert hatte. Im Gehen schien sie drei Zentimeter über dem Fußboden zu schweben. Ihr Gesichtsausdruck war sanft, und sie regte sich nicht mehr über jede Kleinigkeit auf. Nach einer zweiten Tasse Tee erfuhr Anja den Grund dafür. "Ich habe einen neuen Lover", verriet Stefanie. Und nach einer kleinen Pause: "Wir machen Tantra-Sex." Anja schluckte. War Tantra nicht so was Unanständiges? Mit Drogen, andererseits aber auch mit Mega-Orgasmen?
Stefanie und Anja ruhen sich während eines Stadtbummels auf einer Bank aus. "Wir plaudern, kichern, sprechen über Männer und Sex", erzählt Anja. "Vor allem über Sex, das ist unser Lieblingsthema. Wie wir es die letzte Nacht gemacht haben, wer unser aktueller Lover ist." - Stefanie: "Irgendwann war auch Tantra-Sex Thema. Geile Sache, wenn man es richtig macht."
“Unsinn!” Stefanie lachte. “Das Tantra betrachtet den Körper als Tempel der Seele und des Geistes”, erklärte sie. “Über Atem, Bewegung und Stimme machen wir ihn lebendig. Durch Schmecken, Hören, Tasten, Schauen und Fühlen erwecken wir die Sinne und unsere Sinnlichkeit. Die Sexualität ist das Tor zum Einssein mit allem.”
Stefanie bemerkte, dass Anja nicht ganz verstand, was sie meinte. Deshalb sagte sie: “Mein Freund hat mir ein paar tantrische Spiele beigebracht. Die solltest du zusammen mit deinem Mann vielleicht auch mal machen. Du erklimmst damit zwar nicht auf Anhieb den Gipfel der Glückseligkeit. Aber eines kann ich dir versichern: Nach einiger Zeit wird Tantra eurem Sexleben einen echten Kick geben.” Dann beschrieb Stefanie der Freundin sechs Übungen, die sie sexuell beflügelt hatten.
Jahrtausende lang galten die fernöstlichen Liebesschulen als Geheimlehren. Und wurden verboten. Weil sie die Menschen freier machten. Wenn Sie mal eine ausprobieren wollen - hier einige Tips:
Sensibilisierung
Für den Einstieg ins Tantra ist es zunächst wichtig, die Sinne zu sensibilisieren. Stefanie: “Du schließt die Augen und hörst nur auf das, was sich in deiner Umgebung abspielt. Lausche dem Lärm auf der Straße, dem Zwitschern der Vögel, den Geräuschen im Treppenhaus oder einem Musikstück. Tauche ein in die Welt der Töne und denke an nichts anderes. Anschließend konzentrierst du dich auf optische Eindrücke, Gerüche, Geschmäcker und darauf, was du mit den Händen anfasst.”
Tanz
“Tantriker glauben, dass sich die Gottheit Shiva im Tanz ausdrückt”, erläuterte Stefanie. “Und meine Erfahrung ist: Tanzen tut richtig gut. Denk’ mal an Anthony Quinn in ,Zorba‘. Leg’ deine Lieblings-CD auf und bewege dich. Du wirst sehen: Schon bald bist du viel besser drauf.”
Atmosphäre
Tantriker betrachten das Schlafzimmer als eine Art Tempel. Stefanie: “Richte dir den Raum so ein, dass du dich darin sehr wohlfühlst - mit Kerzen, Düften, Musik, Tüchern und Kissen. Und nun folgt etwas für uns Europäer recht Gewöhnungsbedürftiges: Lerne dich selbst zu lieben. Begrüße dich mit einer Verbeugung. Mache dir selbst Komplimente. Über dein Aussehen, deine guten Eigenschaften. Kurz: über alles Positive, was dir einfällt. Und dann beginnst du, dich zu berühren. So wie du selbst gern angefasst werden möchtest. Gehe in diesem Spiel so weit wie du magst.”
Selbstliebe
“In der nächsten Lektion wird es noch etwas heikler”, räumte Stefanie ein. “Es ist die erste gemeinsame Übung mit dem Partner. Das Tantra sagt: Nur ein natürliches Verhältnis zum eigenen Körper ist eine gute Basis für die Liebe zu zweit. In der Praxis heißt das: Die Partner demonstrieren voreinander, wie sie gestreichelt werden möchten. Ohne Worte. Man schaut sich lediglich in die Augen und zeigt seine Lust.”
Rollenspiel
“In Schlagern hörst du immer wieder: ,Ich will dir gehören‘ oder Ähnliches. Aber in der Realität findet so was nie statt”, fährt Stefanie fort. “Anders beim Tantra: Da bist du mal für einen Abend Sklavin oder Herrin deines Partners. Mal verwöhnst du ihn sexuell, mal lässt du dich bedienen. Ehrlich: Dabei habe ich nach und nach Wünsche geäußert, die mir früher nicht über die Lippen gekommen wären.”
Bindung
“Die bei weitem intensivste Erfahrung habe ich in einer Tantra-Übung gemacht, die ich dir nun erzähle”, sagte Stefanie. “Einen ganzen Tag lang waren mein Freund und ich mit einem Schal an den Handgelenken verbunden. Wir haben alles gemeinsam gemacht - vom Kochen bis zum Zähneputzen. Ich sage dir: Da lernst du alles über dich und deinen Partner kennen.”
Aufgeschrieben von Verena Lasskovitz
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Humor

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