erotische geschichten

Gemeinsam zum Gipfel - muss das wirklich sein?

Gleichzeitig den Höhepunkt zu erleben, gilt als sexuelle Erfüllung schlechthin. Aber ist es wirklich solch ein Super-Kick? Nicoletta und Matthias wandten sich wegen ihrer Orgasmusprobleme an einen Psychologen, der den Kontakt zu erotische-geschichten.biz herstellte. Mit Erlaubnis der Beteiligten dürfen wir veröffentlichen, wie das Liebespaar das Problem "Gleichzeitig kommen müssen" erlebte - und wie eine Lösung aussehen kann.

Nicoletta und Matthias: Gleichzeitig kommen ist nicht so wichtig.

“Mmmh, es war so ein wunderbares Gefühl! Ich konnte Matthias fantastisch in mir spüren – sein unbändiges Verlangen nach mir, seine geballte Kraft”, erzählt Nicoletta (36). “Ich fand, wir harmonierten super im Bett. Mein Mann gab mir exakt das, was ich brauchte – diese explosive Mischung aus Zärtlichkeit und Power. Und auch er hatte, das war deutlich zu merken, viel Spaß dabei.”

Die Geschichte

In dieser Nacht liebten sie sich sehr wild. Hemmungslos. Nicoletta: “Mit jeder Sekunde ließ ich mich ein Stückchen mehr fallen. Matthias trieb mich unaufhaltsam dem Höhepunkt entgegen. Ich fühlte bereits, wie sich der Orgasmus in mir entwickelte. Bald würde ich vor Lust explodieren.”

Aber ausgerechnet in jenem Moment ereignete sich etwas, das sie abrupt aus ihrem Höhenflug auf den Boden der Realität zurückholte. Plötzlich stöhnte Matthias: “Bist du so weit, Schatz? Mir kommt es gleich. Ich kann mich nicht länger bremsen. Mach mit, Baby! Lass es uns gemeinsam erleben!”

Wie meinte doch Bertolt Brecht? Das Gegenteil von gut sei gut gemeint. Und so war es auch in diesem Fall. Nicoletta: “Ich kam mir vor wie in einem Trabrennen. Da peitschen die Fahrer im Sulky auch jedes Mal in der Zielgeraden auf ihre Pferde ein, um sie zum Sieg zu pushen. Ich wollte beim Sex aber keine Regieanweisungen von Matthias hören, was wie und wann zu passieren hätte. Das hatte er auch vorher noch nie gemacht.”

Das Ergebnis: Nicoletta geriet – wie mancher Traber – aus dem Rhythmus. Mit einem Mal war der schöne Sinnesrausch verflogen, wurde ihr die Gegenwart bewusst. Sie schlüpfte quasi in die Rolle des eigenen Beobachters, und der Kopf gewann die Oberhand gegenüber dem Bauch. An ein Fallen-lassen war nun nicht mehr zu denken.

“Was ist geschehen?” fragte Matthias sie bald darauf, noch reichlich außer Atem. Und seine Frau versuchte, es ihm zu erklären: “Ich war irritiert über das, was du sagtest. Warum wolltest du denn unbedingt gemeinsam zum Orgasmus kommen?”

“Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass es das Größte sei, was zwei Menschen beim Sex erleben könnten – ein Stück wahre Liebeskunst”, meinte Matthias wahrheitsgemäß. Und Nicoletta lachte.

“Ach, mein Schatz!” sagte sie. “Weißt du – mir ist das nicht so wichtig. Ich finde den Orgasmus nacheinander genauso spannend. Dann kann ich dich besser dabei beobachten. Und das gibt mir manchmal den entscheidenden Kick. Aber wenn du willst, dann versuchen wir es mal gleichzeitig. Mit vorheriger Ansage, okay?”

Der Experte – Johannes Lieffen, Psychologe aus Berlin

Ein paar grundsätzliche Anmerkungen vorweg: Ein Orgasmus allein ist noch kein Qualitätsmerkmal für ein gutes, erfülltes Liebesleben. Viele von uns konzentrieren sich im Bett ausschließlich darauf, sexuell zum Höhepunkt zu kommen. Das ist verständlich. Die orgastischen Gefühle sind ja auch so schön, dass wir alle danach streben. Allerdings: Dabei vergessen wir leicht die spielerischen Elemente beim Sex und vertun die Chance, uns völlig fallen zu lassen.

Schade. Denn Orgasmen können sehr unterschiedlich sein. Jeder ist anders. Von flach bis intensiv. Manche erschüttern uns emotional geradezu. Es gibt Frauen (und auch einige Männer), die nach einem sexuellen Höhepunkt anfangen zu weinen. Nicht vor Schmerz. Sondern weil sie so berührt sind.

Die Intensität des Orgasmus ist jedoch keine Frage der Liebestechnik, viel mehr der Hingabe. Im Wesentlichen kommt es auf die Verbindung zwischen Mann und Frau an. Je größer der Grad ihrer Hingabe, desto stärker die Berührung.

Ein Orgasmus bedeutet auch Kontrollverlust. Und dieses Sich-gehen-lassen ist in der heutigen Zeit gar nicht mal so einfach. Jeder von uns steht mehr oder weniger unter Druck. Durch Job, Termine und finanzielle Verpflichtungen – allesamt Dinge, die unser Liebesleben negativ beeinträchtigen können. Kein Wunder, dass Paare den Sex im Urlaub oftmals viel entspannter genießen.

Zu Beginn einer Beziehung, wenn wir frisch verliebt sind, spielen die äußeren Einflüsse kaum eine Rolle. Da bestimmt allein die Begierde den Sex. Wir machen uns auch nicht sonderlich Gedanken über den Orgasmus. Meist kommt er von ganz allein.

Später, wenn die Beziehung alltäglicher wird, ist das anders. Dann sollten sich Paare schon mal gegenseitig fragen: “Wie hättest du es eigentlich gern?” Eine Frage, die am Anfang einer Partnerschaft natürlich eher wie ein Lustkiller wirkt.

In diesem Zusammenhang kann auch gut das Thema “gemeinsamer Orgasmus – ja oder nein?” angesprochen werden. Tatsächlich ereignet sich das Gipfeltreffen in der Praxis viel seltener, als uns Sexfilme und -magazine weis machen wollen.

Wie wichtig ihnen die Sache ist, können nur die Beteiligten selbst entscheiden. Manche betrachten das gemeinsame Kommen als absoluten Gipfel der Gefühle. Andere dagegen finden es viel schöner, den Partner auf dem Höhepunkt beobachten zu können.

Meine persönliche Meinung dazu: Nehmen Sie es einfach, wie es kommt. Wenn sich der Orgasmus simultan einstellt – gut. Wenn nicht, ist es auch gut. Setzen Sie sich und ihren Partner beim Sex nicht unter Leistungsdruck.

Nachspiel

“Neulich, am Wochenende, haben Matthias und ich es tatsächlich geschafft”, berichtet Nicoletta einen Monat später an erotische-geschichten.biz. “Wir hatten beide Lust, ein bisschen zu experimentieren. Und es klappte. Wir sind im selben Augenblick in Ekstase explodiert.” Mit einem kleinen Griff in die Trickkiste.

Allgemein kommen Männer – außer im fortgeschrittenen Alter – beim Sex ja bekanntlich wesentlich schneller auf Touren als Frauen. Das trifft auch auf Matthias zu. Und um dieses Tempo auszugleichen, stimulierte Nicoletta während des Beischlafs ihre Klitoris zusätzlich mit der Hand. “So konnte ich meinen Orgasmus exakt timen”, verrät sie.

Fazit? Nicoletta: “Mein Mann war glücklich über unseren gemeinsamen Orgasmus. Ich kann nach wie vor darauf verzichten. Mir ist wichtiger, dass Matthias nicht allzu früh kommt. Damit ich genug Zeit habe für den Gipfelsturm.”

Die Interviews wurden geführt und aufgeschrieben von Tobias Nolte.

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