Plözlich will die Russenmafia an meinem Porno-Dreh mitverdienen
Tom berichtet diesmal aus Lettland. Wie Blei hängt die Fototasche an der Schulter. Die Reisetasche ist kaum leichter. Bis zum Platzen ist sie neben der Wäsche zum Wechseln gepackt mit Filmen. "Wie erkenne ich dich", hatte Anna am Handy gefragt. Mein Versuch, ihr zu erklären, dass man mich mit der Ausrüstung im Schlepp kaum verwechseln könne, verfing nicht. "Ich werde tragen grünes Kleid und ich habe Haare blond", instruierte sie mich.
“Anna ist meine Freundin”, hatte mir der Chef eines deutschen Sex-Verlages erzählt. Sie würde alles mit den Models vor Ort regeln. Ich müsste nur die Fotos machen. Und natürlich die Gagen bezahlen. Mit 3000,- Euro bar in der Tasche im Armenhaus Europas, ich bin begeistert. Die Produktion sei sehr wichtig für den Laden. Nur habe der Chef eben selbst keine Zeit, darum gibt man mir den Auftrag auf Honorarbasis.
Bislang hatte dieser Chef, kaum fähig, eine Kamera gerade zu halten, seine Fotos selbst gemacht. Aber beim letzten Trip nach St. Petersburg war er wohl von den örtlichen “Machthabern” abgezogen worden. Und das, obwohl seine Freundin Anna die Tour organisiert hatte. Nun hat er die Hosen voll und ich darf ran.
“Und wenn einer mehr Geld haben will, ein Pförtner etwa, geben Sie ihm nichts. Immer hart bleiben”, gibt dieser größenwahnsinnige Wicht mir mit auf den Weg.
Anna ist nicht zu verwechseln. Mit ihren Plateau-High-Heels erreicht sie eine lichte Höhe von über 1,80 Metern. Es hätte wirklich nicht des grünes Kleides, fast bodenlang und garantiert puff-erprobt, bedurft. Fast beängstigend spannt sich der grellgrüne Stoff über mächtige Titten und einen gigantischen Arsch. Das Haar ist so blond gefärbt, dass die Sonne dagegen wie schwarz erscheint. Dumm und gefährlich, schießt es mir durch den Kopf.
Dummheit, meine Freunde, ist das Gefährlichste, was es gibt. Denn Dummheit ist nicht zu kalkulieren. Wie eine Erlösung erscheint mir da die Frau neben Anna.. Top-Figur, sexy Kleidung, schwarze, natürlich gefärbte Haare und die eiskalten Augen hinter einer Designer-Sonnenbrille verborgen. Die Abgesandte der russischen oder hier lettländischen Mafia wird mir als Swetlana vorgestellt. Unter einem mehr als grob gehäkeltem gelben Hosenanzug trägt sie BH und Slip in Schwarz. Auf jedes männliche Auge wirkt diese Kombination wie ein Magnet. Aber der erhoffte Einblick ist nie zu erhaschen, das nennt man Perfektion!
Aus dem Flughafen von Riga führen mich die beiden zu einem uralten BWM. Davor ein Männlein von gut 60 Jahren. Mit dem freundlichstem Lächeln und den verkommensten Zähnen. “Papa”, führt ihn Anna ein, “wird uns fahren!”
Während Anna auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, zwänge ich mich neben Swetlana auf die Rückbank. Papa hat mein Gepäck im Kofferraum verstaut. Kaum ist der Zündschlüssel umgedreht, springt mir das Warnlicht aus dem Amaturenbrett ins Auge: Bremsbeläge, so schreit das Licht, sind hier nicht mehr existent!
Riga, so hatte mir der Wicht in Deutschland gesagt, sei mein Ziel. Das Hinweisschild ist eindeutig. Rechts geht es nach Riga. Nur der BMW biegt nach links ab, ins Nirwana? Mit mir und 3000,- Euro in der Tasche?? In einem Land, in dem ein Rentner 40,- Euro im Monat bekommt?
Angst, meine Freunde, ist das Beste, was wir Menschen haben. Angst ist ein sehr guter Ratgeber. Nur darf es nie panische Angst werden. Und man darf Angst nie zeigen…
Betont lässig lehne ich mich in die Polster und frage: “Ich dachte es geht nach Riga. Fahren wir jetzt nach Wladiwostok?”
“Jelgawa”, antwortet Anna, ” Mädchen in Riga sind zu teuer. Noch eine Stunde mit Auto.” Papa steuert das Auto über eine einsame Betonpiste mit Unmengen von Schlaglöchern. Beiderseits der Straße erstrecken sich riesige Wälder. Hier und da ärmliche Holzhütten dazwischen. Dann wieder weissglänzende Seen in denen Kinder eine Erfrischung von der sommerlichen Hitze suchen. So idyllisch kann Armut aussehen, schießt es mir durch den Kopf.
Jelgawa, ein paar heruntergekommene Prachtvillen, die ihre Blütezeit vor dem ersten Weltkrieg hatten, dazwischen diese kleinen Holzhäuser und im Zentrum baufällige Hochhäuser aus der Sowjetzeit. Wir halten an einer Bank und ich tausche Geld.
Etwas außerhalb der Stadt hält Papa vor einem Hotel. Neubau. Ein gepflegter Empfang. Nach dem Einchecken werde ich hinauf ins Dachgeschoss geführt. Drei große Zimmer, ein riesiges Bad mit Whirlpool, eine Suite. Hier soll ich nun drei Tage leben und arbeiten.
“Heute sollst du dich ausruhen”, strahlt mich Anna an, “morgen fängt Arbeit an. Wir zeigen dir jetzt die Stadt.” Unten am Empfang wartet eine dritte Begleiterin auf mich. Tatjana ist mit etwa 40 rund zehn Jahre älter als Anna. Aber genau so schrecklich blondiert. Eine durchsichtige Bluse wölbt sich über einem gigantischem Busen. Ihre schmalen Hüften passen dagegen eher zu einem 14jährigen Jüngling. Jetzt sind es schon vier Personen, die mich umsorgen.
In der Stadt setzt Papa uns ab. Auf Annas Anweisung hin zahle ich Papa für seinen heutigen Dienst 30 Euro. Dann ist er entlassen. Mein Damentrio führt mich durch eine kleine Einkaufsstraße. Sie endet an einem kleinen Fluss. Schmutziges Wasser quält sich träge unter einer verrottenden und nur noch einspurig zu befahrenen Brücke hindurch. Anna weist auf einen mächtigen klassizistischen Backsteinbau am anderen Ufer: “Das ist unsere Universität, dort studiere ich Jura!” Währenddessen klingelt fast unablässig ihr Handy. Es sind darunter viele Anrufe aus Deutschland und Anna beschwert sich, dass sie dafür die horrenden Auslandsgebühren zahlen müsse. Wie kann sie sich das als Studentin bloß leisten?
In einem Cafe endet unser Bummel. Jetzt meint Tatjana, mir ihre Legende erzählen zu müssen. Von ihren zwei Frisörsalons, ihrem portugiesischem Freund, den sie bald heiraten will und wie gut der im Bett sei.
So es ihn denn gibt, gilt meine ganzes Mitleid dem armen Portugiesen. Ob der überhaupt weiß, worauf er sich da eingelassen hat?
Nur Swetlana, die schwarzhaarige Schönheit mit der atemberaubenden Figur, trinkt schweigend ihren Kaffee. Sie repräsentiert die örtliche Macht, die beiden drallen Blondinen haben nur Hausmeisterfunktion.
Mein Trio führt mich zu einem Taxi, das mich zurück ins Hotel bringen wird. Am nächsten Morgen gegen elf Uhr, wollen sie mit den ersten Modellen ins Hotel kommen.
Der bei meiner Ankunft noch verwaiste Parkplatz ist jetzt mit deutschen Nobelkarossen bestückt. Wohl keine bezahlt, jedenfalls nicht vom derzeitigen Besitzer. Im Billardraum, links von der Eingangshalle, drängen sich jetzt Männer mit kahlen Köpfen und muskelbepackten Armen. Allerorten großflächige Tattoos und schwere Goldketten. Die Herren der Nacht sind da, und um sie herum schwirren Mädchen mit hohen Hacken und kurzen Röcken.
Durch den Billardraum und eine kleine Treppe hinunter führt der Weg in einem kleinen Park, der zum Hotel gehört. Der Park ist der Treffpunkt für Jelgawas aufstrebendes Bürgertum. Auf einem gepflegten Spielplatz toben die Kinder, während die Erwachsenen an groben Holztischen sitzen und plaudern. Dazwischen eilfertige Kellnerinnen, die Speisen und Getränke bringen und das benutzte Geschirr abtragen.
Nur 50 Meter trennen das Bürgertum vom Mob, der sich beim Billard amüsiert. Von Zeit zu Zeit stöckelt ein Mädchen aus dem Billardraum durch den Park, um ein wenig Luft zu schnappen.
Für Lachs mit Gemüse und ein paar Bier zahle ich sechs Euro. Dann gehe ich auf mein Zimmer.
Freitag
Um neun Uhr begebe ich mich in den Frühstücksraum. Ein freundlicher Kellner kommt. Auf Englisch bestelle ich eine Scheibe Toast, ein Ei und einen Cappuccino. Nach über einer halben Stunde stellt er mir freudestrahlend einen Teller auf den Tisch. Darauf eine Scheibe pappigen Weissbrots mit einem eklig gelben Käse überbacken. Angewidert schiebe ich den Teller weg. Nun gut, der Kellner spricht weder Deutsch noch Englisch und ich weder Russisch noch Lettisch. Jetzt hilft nur noch voller Körpereinsatz.
Ich erhebe mich und trete neben den Tisch, dann runter in die Hocke. Wie blöd flattere ich mit den Armen und gackere dazu. Das Gesicht meines lettischen Freundes erhellt sich. Und die folgenden Tage klappt das mit dem Ei zum Frühstück.
Zurück in meiner Suite. Sie ist aufgeräumt. Ich werde also genau beobachtet. Das ist aber auch nicht besonders schwierig. Außer mir gibt es nämlich keine Gäste im Hotel.
Gegen halb elf klopft es kurz an der Tür und eine schlanke Frau von Mitte 20 tritt ein. Sie stellt sich auf Englisch als Ingrid vor und fragt nach Anna, als ich ihr bedeute, dass Anna noch nicht da ist, verschwindet sie grußlos wieder.
30 Minuten später ist sie wieder da, Jetzt mit Anna und Tatjana und noch einigen Frauen.
Mit Ingrid fange ich an. Sie hat volle Brüste und einen kleinen Bauchansatz. Willig posiert sie in der schwarzen Strumpfhose, den Zwickel tief in die Scham gezogen. Die Bilder gehen später in ein Spezialmagazin für Strumpfhosen-Fetischisten. Dort werde ich Ingrid wieder sehen. Aber nun heißt sie Ellen und kommt angeblich aus Wuppertal. Die Welt will belogen werden.
Für jedes Mädchen gebe ich Anna umgerechnet 70 Euro. 40 davon bekommt das Girl. Den Rest behält Anna.
Die Models kommen im Halbstundentakt. Die einen lasse ich auf dem Bett posieren. Andere auf dem Sofa oder auf einem der zahllosen Sessel, die in der Suite herumstehen. Dann ins Bad und in den Whirlpool. Es kommen große, kleine, dicke, dünne, hübsche, hässliche, alte und junge Frauen.
Nur eines haben sie gemein: Scham und manchmal auch Angst. Das sind keine Models, dass sind verschüchterte Frauen, die für lausige 40 Euro fast alles machen würden. Weil wir uns nicht verständigen können, mache ich alle Posen vor, rücke Arme und Beine in die richtigen Winkel.
Im Vorraum der Suite sitzen Anna und Tatjana mit den Mädchen, machen die Verträge und zahlen das Honorar aus. Für die Mittagszeit haben sie tatsächlich eine Pause eingeplant.
Wir essen. Diesmal entscheide ich mich für eine gebratene Forelle.
Weiter geht es. Lena, Mitte 30, sehr große und schöne Brüste. Aber eine hässliche Zahnlücke. Olga, etwa 40, Inhaberin eines Kosmetiksalons und kurz vor der Pleite. Sie wird knallrot als sie den BH ablegt. Jedesmal wenn ich einen Film wechsele bedeckt sie schamhaft ihre Blöße. Mit dem letzten Foto endet für sie wahrscheinlich ein Albtraum.
Anna schiebt mir ein blutjunges und verschüchtertes Mädchen in den Raum. Katja. “Sie hat Angst”, erklärt Anna, “du kannst mir ihr machen, was du willst!” Wenn ich über die Kleine herfiele, würde sie es wahrscheinlich klaglos über sich ergehen lassen und für einen Teil des Geschäfts halten.
Am späten Nachmittag werden Anna und Tatjana unruhig. Schnell stelle ich den Grund dafür fest. Der Parkplatz vor dem Hotel füllt sich wieder mit den Nobelkarossen. “Joe”, flüstert Anna, “das ist Mafia!”
Das war mir schon klar, aber wenn meine beiden Hausmeisterinnen so beunruhigt sind, ist das garantiert nicht die Mafia, die Swetlana repräsentiert. Offensichtlich haben meine beiden drallen Blondinen das Shooting in ein Territorium verlegt, dass ihre Organisation, ihr Dach, wie es hier heißt, gar nicht kontrolliert.
Und genau darum hatte sich der kleine Verlagsboss auch nicht mehr hier her getraut. Schon in St. Petersburg war ihm die Sache ja über den Köpf gewachsen.
“Joe”, wendet sich jetzt Tatjana an mich, “das ist kleine Mafia. Sehr gefährlich. Wir kennen große Mafia, aber wenn kleine Mafia dir nehmen ein paar hundert Euro, große Mafia nichts machen. Zu wenig Geld. Du musst im Zimmer bleiben. Mach nur auf, wenn wir klopfen. Die Mafia weiß nicht, was du hier machst.”
Und genau das darf ich auf keinen Fall machen. So wie die Geier meilenweit Aas riechen, riecht der russische Mafioso die Angst. Ich bin der einzige Gast, längst wissen die auch, dass ich aus Deutschland komme. Und auch der ganztägige Frauenauftrieb in meine Suite dürfte ihnen nicht entgangen sein. Dass hier oben Geld fließt, muss ihnen auch klar sein. Nur, dass ich kein Dach habe, keinen Schutz, das wissen sie nicht. Das dürfen sie auch nicht wissen. Und wenn ich mich nun in meinem Zimmer einschließe, muss auch dem dümmsten Iwan klar werden, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes allein bin. Eine so deutliche Fährte würden sie sofort aufnehmen.
Selbstsicherheit ist hier das einzig Richtige. Der Pöbel im Billardraum muss unsicher sein. Er muss davon überzeugt werden, das eine Macht über mich wacht, die stärker ist als er.
Kaum haben meine beiden Hausmeisterinnen mich verlassen, gehe ich wieder hinunter. Nicht um das Haus herum, sondern wieder durch den Billardraum schlendere ich hinaus in den Park und setze mich an die Bar im Garten.
Diesmal wähle ich ein Omelette. Nach ein paar Bieren habe ich die nötige Bettschwere erreicht. Im Billardraum spricht mich eines dieser Mädchen mit hohen Hacken und kurzem Rock in bestem Deutsch mit russischen Akzent an: “Guten Abend, hatten Sie einen schönen Tag?” Ich lächle sie an und gehe weiter. Die Hyänen haben die Witterung aufgenommen. Angst habe ich keine. Aber ich kann auch nicht sagen, dass ich mich jetzt in meiner Haut sehr wohl fühlen würde.
Sonnabend
Im Frühstücksraum erwartet mich die erste Überraschung. Mein Kellner bringt hat endlich Toast und Ei aber hinter dem Tresen steht nun Ingrid. Mein erstes Model von gestern. Sie tut, als hätte sie mich nie gesehen. Ein schlagender Beweis für die überragende Intelligenz meiner beiden Hausmeisterinnen. Sie schleppen mir das Hotelpersonal für Nacktaufnahmen in die Suite und glauben ernsthaft, dass mein Wirken den Billardspielern verborgen bleibt.
Ab elf tobt in meiner Suite wieder das Leben. Der Auftakt ist verheißungsvoll. Eine Profi-Stripperin, optisch top setzt sie sich gekonnt in Szene. Jede Position stimmt. Kein angstvolles Flackern im Blick. Ich brauche nicht an Armen und Beinen zerren, nicht jede Position vormachen, nur noch auf Licht und Perspektive achten. Das Arbeiten ist eine Freunde.
Aber das soll nicht so bleiben. Der Tiefpunkt ist mit einem jungen Mädchen erreicht, dass von ihrer derben Mutter in den Raum geschoben wird. Während Mutti draußen wartet, legt sie mit gesenktem Kopf langsam ihre Kleidung ab. Dies muss für sie der schlimmste Augenblick ihres Lebens sein. Nur mit Slip und BH bekleidet steht sie jetzt vor mir, die Hände gefaltet und die Arme wie einen wirkungslosen Schutz vor den schmächtigen Jungmädchenkörper gelegt. Ich könnte sie jetzt wegschicken.
Aber dann würde die Hölle über sie hereinbrechen. Sie ist hier her gebracht worden, um ihren Anteil zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Ich trete an sie heran und hebe ihr Kinn zu mir hoch. Deutlich kann ich in ihren Augen erkennen, dass sie nicht weiß, ob sie meinem Lächeln trauen kann oder nicht. Ich nicke ihr zu und streife ihr gleichzeitig den linken Träger ihres BHs von der Schulter. Nun fügt sie sich in das Unvermeidliche.
Ihre Hände gleiten zum Rücken und öffnen den Verschluss ihres BHs. Ein paar Fotos später deute ich nur noch mit dem Finger auf ihren Slip. Der Widerstand ist gebrochen. Sie nickt und dann gleitet die weiße Baumwolle an ihren Schenkeln hinunter und gibt den Blick auf die möglicherweise noch jungfräuliche Scham frei. Noch ein paar schnelle Bilder und sie ist erlöst.
Hastig greift sie nach ihrer Kleidung und zieht sich wieder an. Zurück im Vorraum greift die Mutter gierig nach den 40 Euro und stopft sie in ihr Portemonaie. Den hasserfüllten Blick ihrer Tochter nimmt sie gar nicht zur Kenntnis.
Ein paar verschüchterte Hausfrauen später steht ein dunkelhaarige Schönheit von etwas über 20 vor mir. Der dünne Sommerrock lässt einen winzigen Stringtanga erahnen. Das enge Top zeigt deutlich, welch schöne Brüste sich darunter verbergen, oder besser zu verbergen versuchen. “Für 150 Euro bleibt sie die ganze Nacht bei dir”, unterbricht Anna die Stille. “150”, frage ich, ” das ist ziemlich viel!”
“150 Euro für eine ganze Nacht ist normal in Deutschland”, antwortet Anna. Für eine lettische Jura-Studentin ist die blonde Wuchtbrumme bemerkenswert gut über deutsche Bordellpreise unterrichtet. “Wir sind hier aber nicht in Deutschland”, erwidere ich. Anna gibt nach: “80 Euro?” Ich winke ab: “Kein Bedarf!”
Oh, meine werten Freunde, eure Gedanken kann ich jetzt lesen. Ihr glaubt mir nicht. Fern von Heimat Frau und Kind, wird mir eine Schönheit zum kleinen Preis offeriert und ich schlage nicht zu. Unvorstellbar, nicht wahr? Aber so ist es, und so muss es sein. Niemals darf man in diesem Gewerbe Geschäftliches und Privates vermischen. Wenn ich dieses Angebot annehme, begebe ich mich auf das Niveau von Anna und Tatjana. Ich bin nicht mehr der Chef im Ring. Niemals darf ich mich diesen beiden Frauen gegenüber als schwanzgesteuerter Mittvierziger outen. Sie hätten dann keinen Respekt mehr vor mir. So verlässt die dunkle Schönheit nach einer guten halben Stunde wieder das Hotel.
Der Tag nimmt kein Ende. Eine Frau nach der anderen stöckelt die Treppe zur Suite hoch. Über Handy hält Anna zu den Damen Kontakt, koordiniert den Zeitplan und beschreibt, wenn nötig, den Weg zum Hotel. “Morgen kannst du dich erholen”, muntert sie mich auf, “morgen kommt nur noch ein Mädchen.”
Die Aufklärung kommt von Tatjana: “Morgen hat Annas Oma Namenstag. Da will sie hin. Darum du machst alles heute.”
Das letzte Frau des Tages wird von einer Freundin begleitet. Und die, wie ihre Freundin etwa Mitte 30, möchte sich auch die 40 Euro verdienen. Mir läuft der Schweiß in Strömen über die Haut, die ganze Hitze des Tages hat sich hier oben unter dem Dach gestaut und auch die Filme gehen langsam zur Neige. Abgemacht waren mit dem alten Winzling in Deutschland 20 Produktionen über drei Tage. Inzwischen sind es fast 30.
“Ich weiß nicht, wie sie nackt aussieht”, wendet sich Anna an mich. Als ob sie es bei den anderen gewusst hätte. Sie hat einfach Anzeigen in der örtlichen Tageszeitung geschaltet und dann alle Bewerberinnen hier antanzen lassen. Anna hat nicht auch nur eine Ahnung davon, wie diese Frauen nackt aussehen.
Es fallen ein paar russische Sätze. Dann erhebt sich die außerplanmäßige Blondine, zerrt T-Shirt und verschlissenen BH nach oben und präsentiert mir ihre Brüste. Was für eine Erniedrigung. Und das für 40 Euro. Ich nicke stumm.
Endlich alleine. Zusammen mit den beiden letzten Mädchen haben mich auch meine drallen Blondinen verlassen. Nachdem ich die Ausrüstung wieder verpackt habe, gehe ich hinunter. Wieder durch den Billardraum. Aus Wassergläsern tanken sie dort den Wodka. Willkommen in der EU, denke ich, bald braucht ihr für eure Raubzüge nach Europa nicht einmal mehr ein Visum.
Diesmal genügt mir an der Gartenbar ein Salat, obwohl ich nichts zu Mittag gegessen habe.
Ein paar Biere später gehe ich zu Bett.
Sonntag
Nach dem Frühstück, diesmal serviert von Ingrid, kommen Anna und Tatjana. Mit ihnen wieder eine Frau von Mitte 40 und ihr junges Töchterchen. In der Suite genügt ein kurzer Befehl der Mutter und das junge Mädchen zieht sich aus. Anna, Tatjana und auch die Mutter bleiben jetzt im Zimmer, während die Tochter sich vor der Kamera räkelt.
Es ist Mittag als ich endlich alleine bin. Aber erst morgen geht mein Flugzeug. Das Hotel hat SAT-TV. Und so finde ich ein deutsches Programm. Tour de France. Jan Ullrich führt einen aussichtslosen Kampf gegen Lance Armstrong.
Am Abend gehe ich ein letztes Mal an die Bar im Park. Der Pöbel im Billardraum lässt mich auch heute in Ruhe. In einem hatte Tatjana Recht. Es ist tatsächlich nur die kleine Mafia. Ihren Terror können diese hirnlosen Muskelprotze nur in Jelgawa verbreiten. Ihr starker Arm reicht also kaum über die Koppel auf der anderen Straßenseite hinaus, auf der seit meiner Ankunft drei Pferde dösen, einzig damit beschäftigt, durch Schläge mit dem Schweif die Fliegen zu verscheuchen. Zwei Tage haben für dieses Gesindel nicht genügt, herauszufinden, dass ich ohne ausreichenden Schutz in ihrem Distrikt arbeite.
Und wenn sie es jetzt herausfinden, ist es zu spät. Ich habe nur noch Bargeld für die Rückreise. Dieses Unvermögen erklärt die unglaubliche Brutalität, mit der sie in Europa agieren. Ihnen fehlt in der überwältigenden Mehrheit jegliches Hirn. Willkommen in der EU!!!
Montag
Nach dem Frühstück bezahle ich meine Rechnung. Plötzlich helle Aufregung. Die Dame am Empfang erklärt mir in gebrochenem Englisch, dass ich zum Frühstück in den letzten Tagen zuviel Cappuccino getrunken hätte. Hotel und Restaurant haben verschiedene Betreiber. Also zahle ich den Aufschlag von zwei Euro.
Um elf hält Papa seinen alten BMW vor dem Hotel an. Auf dem Beifahrersitz Anna, im Fond Swetlana. Tatjana bleibt verschwunden. Schnell verstaut Papa mein Gepäck im Kofferraum. Dann geht es über die holprige Piste zurück nach Riga. Wieder gleiten Wälder, Seen, spielende Kinder und windschiefe Holzhäuser am Fenster vorbei. Was für ein herrliches Makeup für diese bittere Armut.
Swetlana kontrolliert also, ob ich auch wirklich wieder abreise. Nicht dass die beiden drallen Hausmeisterinnen ein Geschäft mit mir machen, ohne dass Swetlanas Mafia beteiligt ist.
Am Flughafen gebe ich Papa für die Rückfahrt noch einmal 30 Euro. Dann folgt die verlogene Küsschen-Küsschen-Szene mit Anna und Swetlana.
Endlich hebt die Maschine ab. Wir fliegen über riesige Wälder. Bald erreichen wir das offene Meer. Es ist giftgrün., verseucht von Algen. Ein undurchdringlicher Teppich von grünen Algen zwischen den dänischen Inseln. Der Grund: Überdüngung der Felder im Baltikum und in Polen. Und die Flüsse schwemmen es ins Meer. Willkommen in der EU.



